Schwimmendes Hostel für maritime Begegnungen

Artikel vom 25.01.2023

Michael Halama

Schon von außen zeigt sich die „Arcona“ am Bontekai 66 nach der Grundüberholung bestens in Schuss. Im Inneren des „Hostel on the water“ (Eigenwerbung) ist alles heller und freundlicher geworden. Bild: Dirk Gabriel-Jürgens

Der Deutscher Marinebund ist stolz auf seine generalüberholte „Arcona“. Als „Hostel on the water“ bietet das Schiff nun Touristen und Gästen in Wilhelmshaven echtes Seefahrerfeeling.

Die „Arcona“ am Bontekai feiert nach gut einem halben Jahr Grundüberholung nun als „Hostel on the water“ ihre Wiedereröffnung. Heinz Maurus, Präsident des Deutschen Marinebundes (DMB) mit Sitz in Laboe, hieß dazu am Freitag zahlreiche Gäste an Bord willkommen.

Das Designkonzept ist schlicht und hell gehalten, es findet sich kein Schnickschnack, dafür „echtes Seefahrer-Feeling“ heißt es in der Beschreibung. Und das trifft es schon sehr gut. Gleichwohl stehen noch Restarbeiten an – und dazu zählt unbedingt Dekoration wie Bilder und ähnliches mehr.

Maritimer Treffpunkt für alle Altersgruppen

Was bislang wohl vor allem als Treff der Marinekameradschaft und urige Übernachtungsmöglichkeit für externe Gruppen wahrgenommen wurde, soll sich jetzt zum maritimen Treffpunkt für Einheimische und Gäste, für Junge und Junggebliebene gleichermaßen mausern. Und das im 80. „Geburtstagsjahr“ des schwimmenden Hostels (siehe Info).

Die Marinekameradschaft (MK) Wilhelmshaven hatte die „Arcona“ lange Zeit als Heimschiff genutzt und mit viel Eigeninitiative und „Bordmitteln“ unterhalten. Doch selbst die tatkräftige Unterstützung von diversen Seiten – zuletzt seit 2015 durch die Bordgemeinschaft der „Braunschweigfahrer“ – half auf Dauer nicht.

Die überalterte MK gab das Schiff zurück in die Hände des Deutschen Marinebundes. Dennoch bleibt die MK künftig als fester Gast an Bord – wenn auch die Bedingungen vertraglich noch nicht in trockenen Tüchern sind, wie am Rande der Einweihung zu hören war.

Potenzialanalyse sieht gedeihliche Zukunft

Im Jahr 2021 stand der DMB also vor der Frage, ob man das Wohnschiff verschrotten solle oder ob eine weitere Nutzung möglich sei, erinnerte Maurus in seiner Rede. Eine in Auftrag gegebene Potenzialanalyse bescheinigte der „Arcona“ dann nicht nur ein positives Alleinstellungsmerkmal, sondern in der Hafen- und Marinestadt Wilhelmshaven auch eine gedeihliche Zukunft.

Nachdem auch die Delegiertenversammlung des DMB grünes Licht gegeben hatte, ging es für das bejahrte Schiff zur Generalüberholung in die Neue Jadewerft.

Werft-Chef Dietmar Janssen bedankte sich bei allen Beteiligten für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und verriet auch, warum es am Ende nicht nur länger dauerte, sondern eben auch teurer wurde als gehofft: Versteckte Schäden seien bei einem so alten Schiff halt nicht ungewöhnlich, außerdem hätten Pandemie und anschließend der Krieg so manch eine Materialbeschaffung verzögert. Über die Gesamtkosten machte der DMB allerdings keine Angaben.

Als Vorsitzender des Nautischen Vereins wünsche er sich beim Blick auf das nun realisierte maritime Schmuckstück „Arcona“ für die Zukunft das komplette Trio mit Feuerschiff „Weser“ und der „Kapitän Meyer“ am Bontekai.

Junge Betriebsleiterin aus Wilhelmshaven

Mit der Neukonzeption als Gerüst gelte es nun, eine wichtige Vorgabe des Deutschen Marinebundes zu erfüllen, sagte Heinz Maurus: Das Schiff muss eigenwirtschaftlich betrieben werden.

Die neue Betriebsleiterin Michelle Batterham hat sich mit ihren beiden Mitarbeitern jedenfalls viel vorgenommen. Nach kaufmännischer Ausbildung und einem Studium im Tourismus-Management an der Jade Hochschule möchte sich die 28-Jährige mit eigenen Ideen einbringen. „Wichtig ist mir außerdem, vorhandene Ressourcen in der Stadt zu nutzen und sich mit ihnen zu vernetzen“, sagt sie.

Für spannende Projekte ist sie offen: So ist für den Juli bereits eine einwöchige Jugend-Veranstaltung geplant, bei der die Teilnehmer die maritimen Seiten Wilhelmshavens erkunden. Vom Containerterminal bis zum Marinemuseum soll einiges dabei sein.

Daten und Fakten

Die „Arcona“ wurde 1943 in Mainz-Kastel gebaut und von Beginn an als Wohnschiff genutzt. Sie ist 66,4 Meter lang und zehn Meter breit. Ursprünglich gab es 81 Kojen an Bord.

Heute sind es 53 Kojen, verteilt auf 22 Kajüten, die zwischen sechs und 20 Quadratmetern groß sind. Es gibt 20 Zwei- und Vierbettzimmer sowie zwei exklusive Zweiraum-Kajüten mit Doppelbett und Couchgarnitur.

In der Neuen Jadewerft wurden 1800 Liter Farbe an Bord verarbeitet, 17 Tonnen Estrich aus dem Schiff geholt, 73 m² Stahlplatten gewechselt, 600 m² Bodenbeläge erneuert und 240 m² Holzbeläge. Dazu wurde eine neue Brandmeldeanlage mit 148 Meldern installiert, die Notbeleuchtung erneuert und 196 Leuchten auf LED umgerüstet.


 

Blaulicht-Ticker

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