Tabu für Wohnmobile an der Küstenlinie

Artikel vom 08.02.2024

Lutz Rector

Bis Anfang August 2023 war die Schleuseninsel ein beliebter Anlaufpunkt von Wohnmobilisten, dann wurde der Platz geschlossen. Bild: Björn Lübbe

Die Verwaltung hat im März 2023 den Prüfauftrag erhalten, mögliche Flächen für die Errichtung von Wohnmobilstellflächen zu identifizieren. 16 Standorte wurden geprüft, nur zwei blieben am Ende übrig. 

Wilhelmshaven - Der Ruf nach mehr Wohnmobil-Stellplätzen in Wilhelmshaven ist nicht neu, nach dem Ende der dafür genutzten Flächen auf der Schleuseninsel im August 2023 aber nochmals deutlich lauter geworden. Die wichtigste Frage: Wo könnten solche Stellplätze entstehen? 16 Alternativen wurden jetzt einer Standortuntersuchung und -bewertung unterzogen. Nur zwei davon kommen demnach infrage.

Im März 2023 hatte die SPD-Ratsfraktion den Antrag auf Ausschreibung eines Wohnmobilstellplatzes am Freibad Nord gestellt. Einen finalen Beschluss darüber gab es nicht, stattdessen wurde die Verwaltung damit beauftragt, mögliche städtische Flächen zu identifizieren, auf denen es entsprechende Möglichkeiten gibt. Diese Prüfung liegt nun vor und wird in der nächsten Woche dem Ausschuss für Planen und Bauen als Informationsvorlage präsentiert.

Wohnmobilstellplatz oder Kurzeitstellplatz?

Geprüft wurde in vielen Fällen unter gleich zwei Fragestellungen. Eignet sich die Fläche als Wohnmobilstellplatz, was bei mehr als drei Stellplätzen rein städtebaurechtlich einem Campingplatz entsprechen würde? Oder könnten dort zumindest Kurzzeitstellplätze, die maximal für einen Tag genutzt werden dürfen und für die eine Bewirtschaftung (Parkautomat) erforderlich wäre, entstehen?

Unter den 16 geprüften Standorten, darunter sechs, die nicht der Stadt gehören, befinden sich auch die von der SPD ins Spiel gebrachte und mit knapp 9000 Quadratmetern größte Fläche neben dem Freibad Nord sowie erneut ein Areal auf der Schleuseninsel. Beide fallen durch. Während im Stadtorden vor allem die in unmittelbarer Nähe befindliche Autobahn und Landesstraße den festgelegten Schallgrenzwert von 40 dB überschreiten, sind es auf der Schleuseninsel die dort vorhandenen gesetzlich geschützten Biotope und Arten. Dass es diese auch schon zu Zeiten des alten, inzwischen aus anderen Gründen geschlossenen Stellplatzes auf dem Gelände gegeben hat, findet in der Auswertung keine Erwähnung. Eine Eignung als Kurzzeitstellplatz wurde weder hier noch dort in Betracht gezogen.

Umweltbelange oft Ausschlusskriterium

In der Analyse der potenziellen Standorte sind Vor- und Nachteile aufgeführt. Geprüft wurden zum Beispiel die touristische Eignung und die Erschließung, aber auch Schallemissionen und natürlich Umweltbelange. Neben den beiden bereits genannten Flächen wurden mit der Benzstraße, dem Grodendamm und dem Südufer drei Bereiche am Banter See sowie Areale am Maadesiel (Rüstersiel), am Maadebogen Nord, am Nassauhafen, in Voslapp, am Dodoweg, am Kanalweg (Hessens), an der Schleusenstraße (4. Einfahrt), am Fliegerdeich sowie am Barghauser und am Ollacker See unter die Lupe genommen.

Einzig die Flächen Grodendamm und am Südufer des Banter Sees konnten die Kriterien erfüllen, letztere allerdings auch nur unter der Bedingung, dass dort ein entsprechender Bebauungsplan beschlossen wird. An fast allen anderen Standorten sind es Umweltbelange (Uferschutzzonen oder Angrenzungen an ein Landschaftsschutzgebiet beziehungsweise an ein besonders schützenswertes Fauna-Flora-Habitat-Gebiet), die eine Nutzung als Wohnmobil- oder Kurzzeitstellplatz ausschließen.

Hafenindustrie mit Erholung unvereinbar

Der Spielraum, Stellplatzflächen entlang der Küstenlinie zu entwickeln, sei gering, da das Land Niedersachsen und die Stadt Wilhelmshaven einst gemeinsam entschieden haben, mit der Aufschüttung der Grodenflächen dort Hafengewerbe anzusiedeln, heißt es dazu in der Begründung der Informationsvorlage. „Hafenindustrie bzw. -gewerbe und Erholung sind Nutzungen, die im gleichen Raum nebeneinander nicht verträglich sind.“ Deshalb seien überhaupt nur zwei Flächen geeignet und könnten empfohlen werden.


 

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