Trendstatteil im Höhenflug?

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Wilhelmshavens Südstadt von oben. Foto: WZ-Bilddienst

Gastronomen ächzen, Hoteliers prozessieren. Die strengen Einschränkungen - vorerst verlängert bis zum 20. Dezember - lassen viele Branchen leiden. Die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie sind noch gar nicht absehbar.

Während die deutsche Wirtschaft in Turbulenzen steckt, trotzen einige Sektoren der Depression, darunter der Immobilienmarkt – er zeigt sich auch während der Coronakrise weiter als standhaft.

Wie eine aktuelle Analyse zur Preis- und Mietentwicklung für Wohneigentum in Deutschland zeigt, steigen die Miet- und Kaufpreise stetig. Weitgehend unabhängig von wirtschaftlichen Entwicklungen zeigen sich dabei laut DI Deutschland.Immobilien AG vor allem Pflegeimmobilien. Hier wird entsprechend kräftig investiert.

Was bedeute das für Wilhelmshaven?

Hier tummeln sich, vorrangig in der Südstadt, auswärtige Investoren. Ob alte Gründerhäuser, die aufwändig saniert, danach teuer vermietet werden, „Ehrenwortplatz“ oder demnächst Media-Markt, das alte, ehrwürdige „Karstadt-Gebäude“: Alt-Besitzer reiben sich die Hände, verkaufen sie doch ihre Immobilien zu Top-Preisen überwiegend an Auswärtige.

Der Umkehrschluss: Günstiger Wohnraum wird rar bzw. Wohnraum wird mittlerweile auch in der Jadestadt zur Mangelware. Zumindest in der Südstadt, wo aus dem „Ehrenwortplatz“ nun barrierefreie Luxus-Wohnungen für gut betuchte Alte entstehen - der Verkauf wurde bereits realisiert - oder das „Karstadtgebäude“, in dem im oberen Bereich Nobel-Pflegeplätze im Verbund von einem Leipziger Investor mit einer Pflege-Firma entstehen sollen. Letzteres ist noch in Planung. Pflege ist das heutige Zauberwort, wenn es um Rendite bei Immobilien geht. Was südstadtmäßig nicht in die Pflege wandert, wird zur Ferienwohnung „kaputt saniert“, wie Wilhelmshavener Südstadtbewohner verärgert ihren Unmut kundtun.

Mehrere Jadestädter (Namen sind der Redaktion bekannt) suchen gerade eine neue Bleibe, da sie aus ihren Wohnungen heraus geklagt werden oder - um jeden Ärger aus dem Weg zu gehen - sich auf Vergleiche eingelassen haben, denn die uralten Gründerhäuser in Bestlage sind als Renditeobjekte bei Investoren heiß begehrt.

Die Wilhelmshavener selbst gucken in die Röhre oder müssen die teils horrenden Mieten stemmen, Die Klagen aus dem Trendviertel nehmen zu. Nur meckern wäre allerdings nicht angesagt. Der Vorteil dieses Investitions-Boom: Alte, vergammelte Häuser werden modernisiert, das Stadtbild gewinnt. Wenn da nicht die Angst vor den Rollatoren wäre.  Immer mehr Pflegeimmobilien könnten für eine immer ältere Bevölkerung sorgen. Es sei denn man steuert dagegen. Beispielsweise indem man bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen und Familien schafft. Oder Originelles, um auch eine Klientel in die Jadestadt zu ziehen, die nicht zwischen 70 und 90 ist. Ideen gäbe es genug. Beispielsweise Baulücken mit Containerwohnungen zu schließen. Andere Städte wie z.B. Berlin oder Rotterdam machen es vor. Auch in Bremerhaven ist bereits das erste Containerhaus in der Entwicklungsphase. Wer einen bewussten und nachhaltigen Lebensstil pflegt, möchte nicht selten auch minimalistisch wohnen. Das könnten Containerwohnungen bieten.

Es gibt aber noch viele andere kreative Möglichkeiten, den ökologischen Fußabdruck klein zu halten und trotzdem komfortabel zu leben – gerade auch in der Jadestadt.

Das Nordwest-Sonntagsblatt sprach mit Oberbürgermeister Carsten Feist über die Zukunft in Wilhelmshaven und speziell über die Situation in der Südstadt, dem Trend-Stadtteil im Höhenflug.

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