Turbo für Flüssiggas-Terminal in Wilhelmshaven gezündet

Artikel vom 07.05.2022

Stefan Idel

Verrücken kleine Windräder auf einem Touchscreen-Monitor (von links): Umweltminister Olaf Lies, Holger Kreetz (Uniper), Wirtschaftsminister Bernd Althusmann und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck. Bild: Torsten von Reeken

Deutschland versucht, in Rekordzeit unabhängig von russischem Erdgas zu werden. Wirtschaftsminister Habeck zeigt beim Besuch in Wilhelmshaven auf, wie wichtig die neuen Terminals für Flüssiggas sind.

Um 8.33 Uhr beginnt am Donnerstag die Zukunft Wilhelmshavens als Energie-Drehscheibe Deutschlands. Jens Tattje (50), Kapitän des „Harle-Kurier“, betätigt das Signalhorn. Auf einer Plattform gegenüber schlägt die Ramme das erste, 50 Meter lange Eisenrohr in den Meeresboden. Das dumpfe „Plong, Plong, Plong“ ist unüberhörbar. Die etwa 160 Gäste auf dem Ausflugsschiff, das sonst zu Hafenrundfahrten in Wilhelmshaven startet, applaudieren kräftig.

Pipeline 27 Kilometer

„Man kann heute einmal durchatmen“, sagt der Ehrengast an der Reling, Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), arg bedrängt von mehreren Dutzend Kamerateams. Er sei zuversichtlich, dass der Plan gelinge. Und das ist der Plan: Um unabhängig von russischen Gaslieferungen zu werden, baut Deutschland eine Infrastruktur zum Import von Flüssigerdgas (LNG) auf. Habeck unterzeichnet in Wilhelmshaven Pachtverträge für vier schwimmende Regasifizierungsanlagen (FSRU). Die erste der schwimmenden Plattformen soll noch im Winter an der Umschlaganlage Voslapper Groden (UVG-Brücke) festmachen. Über eine knapp 27 Kilometer lange Pipeline bis Etzel (Kreis Wittmund) erfolgt die Anbindung ans Gasfernleitungsnetz.

Begleitet wird Habeck von den Landesministern Bernd Althusmann (CDU, Wirtschaft) und Olaf Lies (SPD, Umwelt/Energie), Frieslands Landrat Sven Ambrosy, Wilhelmshavens Oberbürgermeister Carsten Feist sowie führenden Vertretern der beteiligten Firmen.

45 Millionen für Terminal

Die Federführung für den Terminalbau mit Kosten von 45 Millionen Euro hat die landeseigene Hafengesellschaft N-Ports. Folker Kielgast, Technischer Direktor bei N-Ports, erläutert Habeck an der Reling das Projekt: Für den rund 370 Meter langen Anleger müssen 150 Stahlpfähle mit einer Länge von 50 Metern in den Boden gerammt werden. Das Interesse am ersten deutschen LNG-Importterminal ist riesig: Mehr als 60 Medienvertreter drängen sich aufs Oberdeck des Schiffs, darunter ein Kamerateam aus Japan und Journalisten aus New York.

Habeck lobt das Tempo, mit dem das Vorhaben vorangetrieben wird, und das Engagement der Behörden. Mehrfach bedankt er sich: „Das ist super, was Sie hier machen!“ Oberbürgermeister Feist spricht von einer „Verantwortungsgemeinschaft von Bund, Land und Kommunen. Landrat Ambrosy weist auf den Rückenwind aus der Region hin. Sie wolle von der Ansiedlung innovativer Firmen profitieren.

Lob an Projektpartner

In einem Zelt an der Kaimauer präsentieren sich die Projektpartner der künftigen Energie-Drehscheibe. Habeck und die Minister nehmen sich Zeit für Gespräche. So zeigt Jens Schmidt von Tree Energy Solutions (TES), wie grüner Wasserstoff in großem Maßstab produziert und vermarkttet werden kann. Mit Hilfe eines riesigen Touchscreens erklärt Holger Kreetz von Uniper, wie sich Deutschlands Energiemarkt entwickelt. Gern verrückt Habeck kleine Windräder auf dem digitalen Tisch. Um den Mietvertrag fürs ein FSRU-Terminal zu unterschreiben, ist der griechische Reeder George Prokopiou (75) eigens aus Athen angeist. Er sei glücklich, einen Beitrag zur Stabilität Deutschlands leisten zu können, sagt er

Über das neue LNG-Terminal Wilhelmshaven sollen Anfang 2023 rund zehn Milliarden Kubikmeter Gas fließen. Das sind fast zehn Prozent des deutschen Gasverbrauchs. Der Betrieb der vier FSRU erfolgt durch RWE und Uniper, mit denen Habeck Verträge unterzeichnet. Der Bund stellt 2,94 Milliarden Euro zur Verfügung. Allein die schwimmende Plattform kostet nach Medienberichten rund 200.000 Euro Miete pro Tag. Der Turbo fürs Flüssiggas ist das Gebot der Stunde. „Sollten wir die LNG-Terminals nicht haben, und sollte kein Gas aus Russland kommen, ist die Versorgungssicherheit in Deutschland nicht gewährleistet“, mahnt Habeck.


 

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