Die meisten Spielplätze im Landkreis Leer sind nicht inklusiv

Artikel vom 14.02.2024

Axel Pries

Berät in Sachen Barrierefreiheit bei Spielplätzen: Burkhard Küthe in Grotegaste auf dem Spielplatz. Bild: Axel Pries 

Auch wenn Spielplätze heute meist aufwendiger gestaltet werden als früher: Ein Spielplatzgestalter erklärt, warum die meisten Spielplätze im Landkreis Leer nicht inklusiv sind.

Westoverledingen - Eine Abenteuerrutsche, verschiedene Schaukeln, Wippen, viel Platz zum Toben: Eigentlich ist Burkhard Küthe ganz angetan, wenn er den Spielplatz beim Freizeitpark „Am Emsdeich“ betrachtet – jedenfalls mit den Augen des professionellen Spielplatzgestalters. Ein Aspekt sei aber nicht gegeben, obwohl die Gemeinde Westoverledingen damit sogar auf ihrer Website wirbt: Der Spielplatz ist nicht barrierefrei – so wie die meisten Spielplätze in Deutschland nicht. Damit werde dieser für Kinder wichtige Bereich dem Anspruch der Inklusion aber nicht gerecht. Dabei sei es gar nicht so schwer, zumindest den Grundanforderungen zu genügen.

Die Aufgabe, wie man Spielplätze sinnvoll und inklusiv gestaltet, baut der gelernte Tischler und Holzingenieur mit Anstellung bei der Meyer Werft gerade zum selbständigen Beruf aus: als zertifizierter inklusiver Spielplatzdesigner und als geprüfter Sachkundiger für Spielplätze. Zusammen mit seiner Frau Julia betreibt er in Westoverledingen „Natürlich inklusiv“, einen Betrieb, der nicht nur Spielplätze erlebnisreich und pädagogisch ausgestaltet, sondern auch berät, wie sie inklusiv ausgestattet werden können. Heißt: dass auch Menschen mit Behinderungen darauf Spaß haben können - und zwar selbständig. Beratungsbedarf sei da, und gerade beteiligt „Natürlich inklusiv“ sich zusammen mit der Leeraner Digitalagentur „Wemotion“ an einem vom Bund geförderten Projekt, durch das Kommunen sich unter Einsatz von Künstlicher Intelligenz beraten lassen können.

Da gäbe es auch im Landkreis Leer einigen Beratungsbedarf, erklärt er bei einem Besuch des Spielplatzes im Freizeitpark in Grotegaste. „Der Spielplatz ist schon schön“, meint er. Aber seit der Eröffnung 2019 hat er sich verändert. Die Holzhackschnitzel um die Geräte sind vergammelt und die Flächen mit dem Fallschutz bilden Mulden, in die Rollstühle nicht hineinfahren sollten, denn sie kommen nicht mehr raus. Ähnlich ist es mit dem Sand etwa um die Schaukeln, der für Rollstühle ebenfalls nicht befahrbar ist. „Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Kind im Rollstuhl, dann können Sie die Gerätschaft nicht nutzen.“ Das gilt natürlich auch für Eltern oder Begleitpersonen, die mit Gehbehinderungen auf den Rollstuhl angewiesen sind. Gummigranulat oder Gummimatten als Fallschutz wären sinnvoller.

Positiv sei der mit seiner roten Farbe gut erkennbare und breite Pflasterweg über die Fläche, aber von diesem Weg sollten auch kleine, feste Wege über die Rasenfläche zu den Geräten führen. Es sollten Wege sein, die nicht schlammig werden. „Die Reifen sind meine Beine, wenn ich im Rollstuhl sitze“, erklärt der Fachmann und weist auf den winterweichen Rasen: „Wie sehen denn meine Hände aus, wenn ich über solchen Untergrund rolle?“ Abgesehen davon, dass das viel schwerer geht.

Es sei ihm bewusst, dass eine solche Gestaltung auch eine Frage des Geldes ist: „Diese Untergründe kosten mehr.“ Es gehe auch nicht für Barrierefreiheit um jeden Preis, aber mehr Inklusion sei schon nötig. Zumindest die beliebtesten Spielgeräte sollten erreichbar sein, und im besten Fall könnten auch eigens welche für Menschen mit Behinderungen aufgestellt werden. Die USA seien bei dem Thema schon weiter, meint Burkhard Küthe. Der Anspruch der Inklusion sei dort gesetzlich vorgegeben.


 

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