Neuer Inselpolizist mit 30 Jahren: „Es hat sich einfach richtig angefühlt“

Artikel vom 31.08.2023

Aike Sebastian Ruhr

Kilian Stegmann ist seit knapp einem Jahr als Inselpolizist auf der Insel Baltrum unterwegs – und liebt die Insel, sein neues Leben und den Job jeden Tag ein bisschen mehr. Bild: Aike Sebastian Ruhr

Mit 30 Jahren entschied sich der Polizeioberkommissar Kilian Stegmann für ein Leben als Inselpolizist auf Baltrum. Er liebt das Inselleben – doch an eins musste er sich erst gewöhnen.

Baltrum - Noch kein ganzes Jahr ist der 31-jährige Polizeioberkommissar Kilian Stegmann auf Baltrum als Inselpolizist aktiv, doch die Insel und seine dauerhaften Bewohner kennt er schon wie seine Westentasche. Bei einer Streifenfahrt mit dem Fahrrad kommt Stegmann aus dem Grüßen und Plaudern kaum noch heraus: „Das ist es, was ich liebe. Die enge Beziehung zu den Leuten, die Nähe zu den Menschen. Deshalb sollte es auch eine autofreie Insel für mich sein, das ist nochmal ein ganz anderer Schnack.“

Für Insulaner und Urlauber ein Freund und Helfer

Seit dem Herbst vergangenen Jahres ist Stegmann nun Tag und Nacht als Polizist für die Insulaner und Urlauber da. Er sieht sich dabei vor allem in der Rolle als Freund und Helfer – und versucht immer, durch seine ruhige Art zu deeskalieren. Konflikte klären, bevor sie eskalieren – und meist klappt das auch. Brenzlige Einsätze hat er bisher noch nicht erlebt. Das liegt aber wohl auch an dem allgemeinen Insel-Flair: „Es ist hier sehr ruhig, sehr friedlich.“ Trotzdem muss immer mindestens ein Polizist vor Ort sein, für den Fall der Fälle.

Auf sich gestellt

Im Sommer werden Stegmann und seine Kollegin von einem weiteren Polizisten vom Festland unterstützt, der dann zeitweise auf die Insel kommt. In den Herbst- und Wintermonaten hingegen sind Stegmann und seine Kollegin auf sich gestellt. Manchmal ist auch einer von beiden ganz allein, wenn der andere Urlaub hat oder auf das Festland muss, beispielsweise zum Arzt: „Das könnte dann schon knifflig sein. Aber bislang ist es nie zu einer problematischen Situation gekommen.“

Von Hannover, über Wilhelmshaven nach Baltrum

Gebürtiger Insulaner ist Stegmann allerdings nicht. Er ist in Rotenburg an der Wümme aufgewachsen, absolvierte ein Polizei-Studium und machte unter anderem bei der Bereitschaftspolizei in Hannover und Wasserschutzpolizei in Wilhelmshaven Station. Zu Beginn des Studiums hatte er keineswegs geplant, einmal als Inselpolizist auf Baltrum zu arbeiten. Erst sah es so aus, als würde er ein deutlich einsatzreicheres Berufsleben führen. Doch dann entbrannte der Wunsch, das Leben auf der Insel zu verbringen. Dieser entstand, als er mit seiner Freundin auf Langeoog urlaubte, wo er als Kind schon häufiger Urlaube verbracht hatte: „Es fühlte sich so gut an. Ich wusste sofort, dass es das ist, was ich mir für mein Leben vorstelle.“ Bei seiner Freundin entbrannte durch mehrere Urlaube auch der Wunsch nach einem Leben auf der Insel – und die Planungen begannen. Mehr als drei Jahre nahmen sich die beiden Zeit, ehe Stegmann eine Bewerbung abschickte, als eine Stelle als Inselpolizist auf Baltrum ausgeschrieben wurde. Es klappte – und damit ist Stegmann auch beruflich dort angekommen, wo er sich „Zuhause“ fühlt. Seither ist er Inselpolizist – Tag und Nacht. Selbst wenn er keinen Dienst hat und nur mal an der Kasse steht, ist und bleibt er der Inselpolizist: „Damit muss man umgehen lernen. Aber das kann ich – und es ist auch irgendwie schön. Ich liebe das einfach. Mein Traum ist in Erfüllung gegangen und ich genieße jeden einzelnen Moment.“


 

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