Norder steht nach Kellerbrand vor dem Nichts

Artikel vom 03.04.2024

Aike Sebastian Ruhr

Andre Hoffmann arbeitet als Schauspieler, ist aber Erwerbsminderungsrentner und eines der Opfer der Brandstiftung in der Kirchstraße. Ihm bleibt nun nichts außer seinen Klamotten am Leib und sein treuer Gefährte, Hund Timmi. Bild: Aike Sebastian Ruhr

Der Norder Andre Hoffmann ist eines der Opfer eines Kellerbrandes in Norden. Ihn hat es aus mehreren Gründen hart getroffen, nur die Kleidung am Leib ist ihm geblieben. Doch es gibt Hoffnung.

Norden - Andre Hoffmann hat derzeit nichts mehr außer den Klamotten, die er am Leib trägt und seinen Hund Timmi. Der Rest ist bei dem Kellerbrand in der Kirchstraße in Norden in der Nacht vom 23. auf den 24. März so stark verqualmt worden, dass der Norder die Sachen nicht mehr nutzen kann: „Binnen Sekunden war meine ganze Wohnung so stark verraucht, dass ich nichts mehr sehen konnte“, erinnert sich Hoffmann an die Schreckensnacht. Ein Nachbar hatte bei ihm geklopft, ihn warnen wollen und war dann in den dichten Qualm entschwunden. Hoffmann wollte noch schnell Hund Timmi holen, doch da war es schon zu spät: „Selbst mit der Taschenlampe meines Handys hatte ich keinerlei Chance, nach zwei, drei Schritten aus der Wohnungstür mussten wir umkehren“, sagt Hoffmann.

Große Schäden in kurzer Zeit

Er und sein Hund begaben sich auf den Balkon, bis die Feuerwehr eintraf: „Das war alles ganz okay, sehr ruhig abgelaufen. Über mir holten sie einen mit der Drehleiter, ich sollte noch kurz warten“, so der Norder. Binnen weniger Minuten hörte er dann ein Rumpeln an der Tür, ging durch die verqualmte Wohnung und ein Feuerwehrmann reichte ihm die Hand, schildert er: „Die haben mich dann durch das Treppenhaus nach draußen geführt, hatten zwischenzeitlich mit einem riesigen Lüfter das Treppenhaus entqualmt.“ Doch auch wenn es nur ein kurzer Zeitraum war, die Schäden sind immens.

Schwere Hustenanfälle und Atemnot

Hoffmann leidet seither noch immer schwer an den Folgen, hat große Angst davor, dass ihm gleiches noch einmal widerfahren könnte – doch neben der psychischen Belastung ist vor allem körperlich einiges passiert. Der ohnehin schon lungenkranke 55-Jährige leidet seither an heftigen Hustenanfällen, ließ sich am Tag des Brandes auch noch im Krankenhaus behandeln – doch eine Rückkehr in die Wohnung ist für ihn derzeit, auch ärztlich bescheinigt, unmöglich: „Ich kriege da keine Luft, muss andauernd husten, bis ich mich irgendwann übergebe“, schildert er. Während einige Bewohner zurückkehren konnten und zum Teil über Hausratversicherungen nicht reparable Schäden begleichen lassen, steht Hoffmann sprichwörtlich vor dem Nichts: „Ich hatte keine Hausratversicherung“, ärgert er sich. Es sei einfach in Vergessenheit geraten: „Das ist meine eigene Schuld, das ist mir bewusst. Aber wer rechnet auch damit, dass unter einem gezündelt wird und man einen Keller in Brand steckt?“

Spendenaktion für den Norder gestartet

Die Spuren des Brandes sind auch mehr als eine Woche danach noch deutlich sicht- und spürbar. Massiver Rauchgeruch strömt in die Nase beim Betreten des verrußten Hausflurs: „Gesund ist das nicht“, kommentiert Hoffmann. Wenige Stufen schafft er, dann muss er umkehren wegen eines massiven Hustenanfalls: „Ich kann da nicht hin zurück, nicht unter diesen Bedingungen.“ Seit dem Brand lebt er in Räumlichkeiten der katholischen Kirche, die ihm in der Not beigestanden haben und eine Spendenaktion für ihn wurde gestartet. Er hofft nun auf die Hilfe der Stadt Norden bei der Suche nach einer neuen Bleibe – und will sich dann zum Teil neu einrichten: „Ich weiß ja nicht, was ich noch verwenden kann. Ich kann ja nicht in die Wohnung.“


 

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