Oldenburger können sich landesweit am wenigsten leisten

Artikel vom 06.11.2023

Svenja Fleig

Vergleichsweise hohe Preise und geringe Einkommen führen dazu, dass sich die Menschen in der Stadt Oldenburg weniger leisten können als im Landkreis oder in anderen Städten wie Emden und Delmenhorst. Bild: Jannik Schallenberg

Überall im Nordwesten können sich die Menschen mehr leisten als in der Stadt Oldenburg. Aber auch in Emden und Delmenhorst ist die Kaufkraft niedrig. Anders sieht es im Landkreis Oldenburg aus.

Im Nordwesten - Die Stadt Oldenburg ist niedersachsenweit Schlusslicht bei der Kaufkraft. Weil hier hohe Lebenshaltungskosten auf vergleichsweise niedrige Einkommen treffen, können sich die Menschen weniger leisten als anderswo. Bundesweit landet Oldenburg damit sogar auf dem 14. Platz unter den Kreisen und kreisfreien Städten mit der geringsten Kaufkraft. Ganz anders sieht es im Landkreis Oldenburg aus, wo den Menschen durchschnittlich 5,3 Prozent mehr Geld bleibt als im bundesweiten Durchschnitt. Das geht aus einer aktuellen Berechnung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Demnach gibt es im Nordwesten deutliche Unterschiede.

Hohe Kaufkraft

Das um die regionalen Lebenshaltungskosten bereinigte Einkommen gibt an, wie viel sich die Menschen vor Ort leisten können. In Niedersachsen sitzt die höchste Kaufkraft im Umland der Autostadt Wolfsburg. Im Nordwesten schneidet der Landkreis Oldenburg besonders gut ab, der landesweit immerhin noch auf dem siebten Platz landet. Hier sind die Einkommen im Schnitt deutlich höher als in der Stadt Oldenburg, gleichzeitig wohnen und leben die Menschen günstiger. Diese Konstellation führt dazu, dass dem einzelnen Einwohner rechnerisch 25.663 Euro netto pro Jahr zur Verfügung stehen. In der industriegeprägten Wesermarsch sind es mit 25.338 Euro zwar etwas weniger, die Menschen können sich aber immer noch vier Prozent mehr leisten als im Bundesschnitt. Ihnen kommt vor allem zugute, dass sie um 23,9 Prozent günstiger wohnen als der durchschnittliche Deutsche. Und auch der Landkreis Vechta schneidet bei der Kaufkraft gut ab – im Gegensatz zu anderen Gebieten im Nordwesten.

Geringe Kaufkraft

Schlusslicht im Land ist die Stadt Oldenburg, deren Einwohner sich rechnerisch 13,2 Prozent weniger leisten können als der Durchschnitt. Pro Kopf liegt das preisbereinigte Einkommen laut der Auswertung bei 21.152 Euro pro Jahr. Aufgrund der verhältnismäßig hohen Lebenshaltungskosten im Vergleich zum Einkommen sieht es auch in den Städten Emden, Wilhelmshaven und Delmenhorst nicht besser aus. Emden landet nach Oldenburg unter den kreisfreien Städten und Landkreisen mit der geringsten Kaufkraft sogar auf dem bundesweit 15. Platz.

Von den ostfriesischen Landkreisen können sich die Menschen in Leer am wenigsten leisten. Und das, obwohl es sich dort laut regionalem IW-Preisindex besonders günstig lebt. Allerdings fallen auch die Einkommen entsprechend niedrig aus. Auch in den Landkreisen Cloppenburg und Friesland hatten die Menschen weniger Geld zur Verfügung. Im Ammerland lag die Kaufkraft 0,5 Prozent unter dem bundesweiten Schnitt.

Der Nordwesten im Bundesvergleich

Betrachtet man ganz Deutschland, so können sich die Menschen im Nordwesten vergleichsweise wenig leisten. Ähnlich sieht es auch in weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns sowie in manchen Landkreisen Thüringens und Sachsen-Anhalts aus. Eine besonders hohe Kaufkraft gibt es demnach im äußersten Norden Deutschlands und im Süden. Spitzenreiter sind der Landkreis Starnberg bei München, der hessische Hochtaunuskreis und Baden-Baden. Vor allem hohe Wohnkosten drücken unterdessen die Kaufkraft in den Metropolen. Das Schlusslicht bildete aber Gelsenkirchen. Zum Vergleich: In Starnberg hatten die Menschen ein preisbereinigtes Einkommen von fast 33.000 Euro pro Kopf und Jahr, in Gelsenkirchen waren es gerade einmal 19.000 Euro.


 

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