So läuft es im Frauenschutzhaus in Cloppenburg

Artikel vom 06.03.2024

Reiner Kramer

Das Gewaltschutzzentrum in Cloppenburg: Das Frauenhaus ist seit einigen Wochen in Betrieb. Bild: DRK

Vor einem Monat ist das Frauenhaus in Cloppenburg nach einigen Verzögerungen an den Start gegangen. Wie läuft es seither? Wir haben beim Betreiber nachgehört.

Cloppenburg - Seit einem Monat ist das Frauenhaus in Cloppenburg nun in Betrieb. „Wie erwartet, waren die Kapazitätsgrenzen schnell erreicht“, sagt Phillip Nolting, für die Öffentlichkeitsarbeit beim Deutschen Roten Kreuz (Kreisverband Cloppenburg) zuständig. Das DRK betreibt das Frauen- und Kinderschutzhaus als Teil des Gewaltschutzzentrums in Cloppenburg.

Derzeit befinden sich acht Frauen mit elf Kindern in der Einrichtung. Nicht alle kommen aus dem Landkreis Cloppenburg, einige aus Osnabrück, Delmenhorst oder Oldenburg, aber auch aus anderen Bundesländern wie Bremen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Manchmal sei eine räumliche Distanz zum Wohnort und zum Partner wichtig, betont Nolting. Denn die Frauen seien nicht in einem Gefängnis, sondern könnten sich in der Stadt frei bewegen.

Die Fluktuation in der Einrichtung ist erwartet groß. Zwischenzeitlich sind einige Frauen auch wieder ausgezogen. In der Regel bleiben sie aber zwei bis drei Monate. Zeit, die benötigt wird, um den Frauen, die in Ehe und Partnerschaft psychische, physische und/oder sexuelle und häusliche Gewalt erfahren, zu helfen und einen Neustart zu ermöglichen. Auch der bürokratische Aufwand sei groß, betont Nolting.

Aktuell sind alle acht Appartements belegt. Bis zu zwölf Kinder können zudem auf zwei Etagen in Cloppenburg untergebracht werden. Bei der Planung wurde darauf geachtet, dass die Räume möglichst flexibel gestaltet werden können. Auch männliche Jugendliche über 14 Jahren können aufgenommen werden. In das Gewaltschutzzentrum eingezogen waren bereits Ende 2023 die ambulanten Beratungsangebote.

Die Eröffnung des Frauenschutzhauses musste um Monate verschoben werden, weil relevante Betriebs- und Sicherheitstechnik fehlte. Dabei war es zu Lieferschwierigkeiten gekommen. Ohne diese Technik konnte die Einrichtung nicht in Betrieb genommen werden. Die ist mittlerweile eingebaut, und der Betrieb läuft. Der Start war auch Jugendamt, Jobcenter und Beratungsstellen kommuniziert worden.

Einige nächtliche Notfall-Aufnahmen habe es in den vergangenen Wochen bereits gegeben, schildert Nolting. Dafür ist ein Bereitschaftsdienst eingerichtet. Platz für Notfälle wird trotz Vollbelegung vorgehalten. Abgewiesen werden musste bislang keine Frau, betont Nolting. Gleichwohl bestehe ein enges Netzwerk mit anderen Frauenhäusern, an die die Frauen verwiesen werden, wenn alle Kapazitäten erschöpft sind.

Randalierende Männer vor dem Eingang – das sei bisher glücklicherweise nicht vorgekommen. Mit der Polizei, dem Krankenhaus und der DRK-Rettungswache befinde man sich zudem in guter Umgebung. Der Start sei für die Frauen reibungslos verlaufen. Im Team – das besteht aus sieben Mitarbeiterinnen – gestalteten sich die ersten Wochen durchaus spannend. „Man wird ja auch mit Schicksalen konfrontiert“, so Nolting.

Rund um die Uhr erreichbar

Von häuslicher Gewalt betroffene Frauen können sich an das Frauen- und Kinderschutzhaus wenden unter Tel. 04471/9110-700. Diese Nummer ist rund um die Uhr erreichbar. In akuten Bedrohungssituationen und Notlagen sollte aber zuerst die Polizei unter Tel. 110 angerufen werden. Über die Polizei ist eine Aufnahme in ein Frauenhaus dann auch möglich.


 

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