Stand-up-Comedy ist genau sein Ding

Artikel vom 13.06.2024

Patrick Buck

Sorgte für viele Lacher im „The Pub“: Silas Palkowski bei seiner Bühnenpremiere. Bild: Privat

Nach seiner Querschnittslähmung half ihm auch der Humor wieder auf die Füße. Silas Palkowski aus Metjendorf macht Comedy im und mit dem Rollstuhl. An diesem Donnerstag auch in Oldenburg.

Metjendorf/Oldenburg - Als er 16 war, fiel Silas Palkowski von einem Baum. Seitdem ist er vom Brustwirbel abwärts querschnittsgelähmt, sitzt im Rollstuhl. Doch vom Schicksal ließ er sich nicht die Beine wegziehen, er hat sich als echtes Stehaufmännchen bewiesen. Wer diese Wortwahl für unpassend hält: Sie könnte genau so von Silas selbst kommen. Der heute 24-Jährige aus Metjendorf setzt nämlich seit jeher auf Humor. Inzwischen steht – genauer genommen sitzt – er damit auch auf der Bühne. Stand-up-Comedy ist nämlich genau sein Ding.

Teil seines Lebens

„Ich bin Silas Palkowski und sitze seit acht Jahren im Rollstuhl – ich bin also quasi seit der Schule sitzen geblieben.“ So beginnt das Programm, mit dem er im vergangenen Jahr im „The Pub“ an der Wallstraße in Oldenburg debütierte. In diesem Stil geht es weiter. Der Rollstuhl ist für alle sofort zu sehen, ein Teil seines Lebens. Also versucht Silas gar nicht, ihn zu ignorieren. Darum bezieht er ihn mit ein, macht ihn zu seinem kongenialen Partner. Er kann Sprüche bringen, für die Menschen mit zwei funktionierenden Beinen wohl auf den Deckel bekämen.

Wobei Silas genau genommen eigentlich keine Behinderten-Witze macht, er macht Silas-Witze. Er nimmt sich selbst, seine besonderen Lebensumstände und die mitunter kuriosen Situationen, in die er dadurch gerät, auf die Schippe. Würde er sich auch über andere Menschen mit Behinderung lustig machen? „Klar“, sagt er, „aber nicht von oben herab. Dann würde ich mich gleich mit einem Spruch über mich auf eine Ebene bringen.“

Der Weg in die Comedy kommt übrigens nicht von ungefähr. Humor und gegenseitiges Foppen prägten schon vor dem Sturz vom Baum den Ton in der Familie. Das gilt bis heute. Weil seine Mutter von den Furchen des Rollstuhls auf dem Rasen genervt war, bestellte sie ein Schild mit einem durchgestrichenen Rollstuhlfahrer und dem Satz „Das Befahren der Rasenfläche ist verboten“ – und beömmelte sich tierisch, als ihr Sohn das entdeckte. Er revanchierte sich mit dem Youtube-Video „Ich werde gemobbt“. „Das Problem war nie der Rollstuhl, das Problem ist die Familie“, spielt er darin den Beleidigten.

„Ich find’ mich witzig“

Natürlich ist der Rollstuhl nicht das Problem, er ist lebenswichtig. Und auch im Comedy-Bereich eine Hilfe. Silas ist bewusst, dass er eine besondere Aufmerksamkeit erhält, wenn er auf nicht auf die Bühne springt, sondern eben rollt. Klar, in einer idealen Welt sollte jeder nur den Menschen sehen. Der Koloss von Rollstuhl ist allerdings schwer zu übersehen. Warum soll er das nicht ausnutzen? Zumal er ganz selbstbewusst sagt: „Ich find’ mich witzig.“ Nur aus Mitleid erntet man mit Sicherheit nicht 15 Minuten lang Lacher auf der Comedy-Bühne.

Beruflich arbeitet der 24-jährige im IT-Bereich. Doch auch mit Comedy soll es weitergehen. Eine richtige Bühnentour oder ein Auftritt in der Sendung „Last one Laughing“ mit Bully Herbig, das wär’s. Auch bei Youtube („DerPasi“) möchte Silas mehr machen, sucht allerdings noch einen passenden Partner für die Kamera. Er ist bereit für den nächsten Schritt. Na dann: Hals- und Beinbruch.


 

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