Wie Sabine Joyce auswanderte, um den amerikanischen Traum zu leben

Artikel vom 24.01.2024

Wolfgang Alexander Meyer

Im Auswandererhaus in Bremerhaven: Sabine Joyce hört sich bei einem Besuch mit ihrem Bad Zwischenahner Freund Hans-Georg Brinkmeyer ihre eigene Geschichte an. Bild: Privat

Der „American Dream“ ist für Sabine Joyce wahr geworden. 1960 ist die Zwischenahnerin als junge Frau in die USA ausgewandert und hat dort viel erreicht. Ihre Geschichte wird sogar im Auswandererhaus erzählt.

Bad Zwischenahn - Der sogenannte „Amerikanische Traum“, die Vorstellung, dass jeder Mensch die Möglichkeit hat, sein Leben durch harte Arbeit zu verbessern und es bis nach ganz oben zu schaffen, ist einer der Hauptgründe, warum die USA ein so beliebtes Land für Auswanderer ist. Auch aus dem Ammerland sind verschiedene Menschen nach Amerika gezogen, um ihr Glück zu suchen. Eine von ihnen ist Sabine Joyce, die als 19-Jährige Bad Zwischenahn verlassen und sich ein neues Leben aufgebaut hat, das sie in ihrer Heimat so nicht hätte führen können, wie sie sagt.

Bei einem Heimatbesuch hat die heute 84-Jährige mit unserer Redaktion gesprochen. Sie berichtet, warum sie ihre Auswanderung nicht bereut, wie es für sie war, als ihre Geschichte für das Auswandererhaus in Bremerhaven aufgearbeitet wurde und wie sie die politische Situation rund um die Präsidentschafts-Kontrahenten Trump und Biden in Amerika einschätzt.

Der Traum

Den Traum von einem Leben in Amerika hatte Sabine Joyce bereits im Kindesalter. Damals hieß sie noch Sabine Schastok und lebte in Bad Zwischenahn. Hier arbeitete sie unter anderem als Kindermädchen von Hans-Georg Brinkmeyer, den sie aktuell besucht. „Ich bin schon als Jugendliche mit dem Fahrrad nach Bremerhaven gefahren, um nach Amerika zu kommen, geklappt hat es erst ein paar Jahre später“, erinnert sich die 84-Jährige, die heute in der Nähe von Annapolis lebt, der Hauptstadt des Bundesstaates Maryland, die gleich neben Washington DC liegt. „In Amerika habe ich mir ein Leben aufgebaut, wie ich es in Deutschland nicht hätte führen können, weil ich die nötige Ausbildung nicht hatte“, sagt Joyce. Mit ihrem Mann und ihren Kindern habe sie viele Jahre auf einer Farm gelebt, die die Familie bewirtschaftet habe. „In Amerika braucht man nur das Startkapital und kann einfach loslegen. Wer hart arbeitet, kann sich so direkt etwas aufbauen“, beschreibt die 84-Jährige.

Genau diese Mentalität habe sie bis heute – auch wenn die Farm mittlerweile verkauft ist. Dafür hat Sabine Joyce mit dem Tanzen begonnen und innerhalb von gut zwei Jahren zahlreiche Wettbewerbe gewonnen. Als Tanzpartnerin sei sie sehr gefragt. „Meine beiden Partner sind 27 und 30 Jahre alt und genauso ehrgeizig wie ich.“

Politik

In Bezug auf die politische Situation sieht die 84-Jährige zwei große Probleme für die im November anstehende Präsidentenwahl: „Joe Biden ist ein alter Mann, der nicht noch mal antreten sollte und Donald Trump wird wahrscheinlich im Gefängnis sitzen, wenn er gewählt worden ist“, lautet ihre Einschätzung. Für sie ist Joe Biden aber ganz klar die bessere Wahl, weil sie sich ein demokratisch regiertes Land wünscht. Der Sturm auf das Kapitol, dessen Jahrestag erst vor kurzem war, sei für sie ein prägendes Erlebnis gewesen. „Das war wirklich schlimm“, erinnert sich Joyce. „Ich wohne ja nicht weit weg und finde es sehr traurig, dass das gesamte Areal, das früher sehr offen war, heute stark gesichert ist.“ Auch wenn die Gesellschaft mittlerweile teils stark polarisiert sei, zeige sich das in ihrem Freundeskreis nicht offen. „Ich weiß, dass einige meiner Freunde anders denken als ich. Politik ist deshalb kein Thema, wenn wir uns treffen, weil es keinen Streit geben soll. Politische Gespräche gibt es nur, wenn die Menschen, die miteinander sprechen, der gleichen Meinung sind“, beschreibt sie die Situation in ihrer Wahlheimat, für die nach wie vor ihr Herz schlägt.

Die Auswanderung

Die Geschichte der Auswanderung von Sabine Joyce ist vom Deutschen Auswandererhaus Bremerhaven aufgearbeitet worden.

In dem Museum werden die Geschichten von Auswanderern erzählt. Besucher erleben auf ihrem Rundgang die einzelnen Stationen einer Auswanderung im 19. und 20. Jahrhundert.

Sabine Joyce ist eine der wenigen, eventuell sogar die einzige noch lebende Person, deren Geschichte in dem Museum erzählt wird.

Um die Geschichte der heute 84-Jährigen aufzuarbeiten hatte es ein langes Interview gegeben. Darüber hinaus hat Joyce dem Museum persönliche Gegenstände zur Verfügung gestellt – auch ihren Teddybären. Den hatte sie schon, als sie als kleines Kind mit ihrer Familie aus Oberschlesien vertrieben worden ist. In dem Stofftier versteckte sie damals einen Ring, den sie von ihrer Oma bekommen hat.

Im Auswandererhaus war Sabine Joyce bereits mehrfach und hat sich auch die Bearbeitung ihrer Geschichte angesehen und angehört. „Ich war begeistert, vor allem von der Schauspielerin, die die Texte eingesprochen hat“, berichtet die Auswanderin, die in dem Museum auch mit Schülerinnen ins Gespräch gekommen ist, die sich für ihre Geschichte interessiert haben.


 

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