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Der Traum von frischen Frühstückseiern

Antibiotika im Fleisch, Dioxin oder Fipronil in Eiern: Solche Lebensmittelskandale sind einer der Hauptgründe, warum immer mehr Verbraucher sich dazu entscheiden, Hühner selbst zu halten.

Beim Geflügelzuchtverein Oldenburg gab es in den vergangenen Jahren einen leichten Zulauf an neuen Mitgliedern. „Diese sind nach der Anschaffung der Tiere an Informationen über die Haltung aus erster Hand interessiert“, erzählt der Vereinsvorsitzende Dirk Wolters. Und das sei auch gut so. „Erfahrene Halter und Züchter können alles besser begreiflich machen, als Texte in Hobbybüchern“, sagt der Experte. „Und es können die einen oder anderen naiven Aussagen in Hobbybüchern oder Zeitschriften ins richtige Licht gerückt werden“, fügt er hinzu.

Gesunde Eier und pädagogische Ansätze

Der vorrangige Beweggrund ist laut Wolters der Wunsch, von den eigenen Hennen ‚skandalfreie‘ Eier zu erhalten. „Man weiß, womit die Tiere gefüttert werden. Viele neue Halter greifen dabei auffallend auf käufliches Biofutter, möglichst frei von Gentechnik, zurück – das unterstreicht nur den Beweggrund“, sagt Wolters.

Ein weiterer zentraler Anschaffungsgrund seien bei jungen Familien die eigenen Kinder, die lernen sollen, Verantwortung zu übernehmen. „Dazu sind Hühner in der Tat auch besonders gut geeignet“, meint der Vorsitzende. „Den pädagogischen Anspruch können zwar auch Hamster oder Meerschweinchen leisten – aber die legen meines Wissens keine Eier. Der Mehrwert des Huhns liegt somit beim Nährwert als Produkt der eigenen Tierhaltung“, führt er aus.

Schwierig wird es laut Wolters zumeist dann, wenn es um das Huhn als Nutztier insgesamt und seinen Nährwert geht. „Der ‚Hühnerhaltungsboom‘ scheitert nämlich spätestens, wenn es um das Schlachten der Hühner geht“, erläutert der Vereinsvorsitzende. Hobbyhaltern von wenigen Hühnern ist außerdem nicht klar, dass die Legeleistung der Hennen sukzessive aber stetig abnimmt. Im Winter und in der Mauser – wenn die Tiere ihr Federkleid komplett erneuern – kann sie auch gänzlich ausbleiben. Die Motivation nach dem eigenen Ei unterliegt also einer Halbwertzeit. Bei gleicher Anzahl Hennen nehme die Anzahl gelegter Eier stetig ab. „Wem es also auf Eier ankommt, muss das bei seiner Planung berücksichtigen“, betont Wolters.

Viel Platz für das schöne Federvieh

Eine tierwohlgerechte Haltung ist sowohl auf dem Land als auch in der Stadt möglich. Es gibt aber natürlich einige Grundvoraussetzungen. Ausschließlich im Stall gehaltene Hühner leben nicht tierwohlgerecht. „Die Tiere benötigen Auslauf, wollen sich bei Sonnenschein im trockenen Sand baden, nach Insekten jagen, im Boden scharren, sich als Sozialtiere einander messen. Mindestens fünf, besser zehn Quadratmeter Außenfläche pro großes Huhn würde ich als Richtwert annehmen“, erläutert er.

Die Ställe müssen ausreichend groß sein. „Pro großes Huhn sollte ein Quadratmeter Platz sein. Bestenfalls grenzen sie an eine fest oder mit Plane überdachte Voliere an, so dass die Hühner trotz schlechter Witterung oder Aufstallpflicht nach draußen können.“, führt Wolters aus. „Kleinställe, wie sie gern online oder im Tierfuttermarkt angeboten werden, sind meines Erachtens völlig ungeeignet oder eine nur zeitweise „Sommerlösung“. Hühner sind keine Hamster und leben deutlich länger als diese. Daher lohne es sich durchaus, mehr Gedanken an die Haltung zu erübrigen. Nicht zuletzt solle es ja auch dem Halter langfristig Freude machen.“

Wichtiges Ziel: Hühnerrassen erhalten

Hühner sind laut Wolters intelligente Tiere mit scharfem Blick und gutem Gehör, erkennen beispielsweise ihre Halter schon von Weitem und können zutraulich wie Hunde werden. Das mache die Freude an der Haltung mit aus.

Lebende Hühner können auf vielerlei Weise erworben werden. „Die Frage ist aber, ob das Huhn auch eine Besonderheit mitbringen soll. Wer will, kann fast jederzeit auf einem Wochenmarkt lebende Hühner käuflich erwerben. Die Hennen werden auch Eier legen. Es handelt sich um die Rasse Wagenhuhn“, erläutert Wolters mit Augenzwinkern. Es gebe aber eine Steigerung. „Nämlich das Rassehuhn oder das Zwerg-Rassehuhn mit seinen besonderen Eigenschaften was Verhalten, Legeleistung, den besonderen Mehrwert als Kulturgut und als gefährdete Rasse an sich angeht.“ In diesen Fällen berät und unterstützt der Rassegeflügelzuchtverein.

„Zwar sind auch mir die Eier und ebenso das Brathuhn aus der eigenen Haltung wichtig – denn auch am Ende hat das Nutztier als Schlachttier besonderen Wert – allerdings kommt es mir vor allem auf die Erhaltung alter Rassen an“, betont der Vereinsvorsitzende. Das eine schließe das andere aber nicht aus. „Man kann Rasseerhaltung mit dem Mehrwert der eigenen Tierhaltung verbinden.“

 

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