Depression-Selbsthilfe in Nordenham

Reden ist Silber – Schweigen macht krank

Nordenham - „Wir sind wie eine große Familie“, sagt Marion Kallweit. Die Nordenhamerin spricht über ihre Selbsthilfegruppen. Sie heißen „Gemeinsam gegen Depression, Angst und Panik“. Vor fünf Jahren hat Marion Kallweit die erste gegründet. Mittlerweile gibt es eine zweite. Und die Warteliste für die dritte Gruppe ist bereits voll. „Der Bedarf in Nordenham ist groß“, sagt sie. Doch immer noch gelten seelische Krankheiten als Tabuthema.

Was sind die Anzeichen einer Depression?

„Eine Depression kommt schleichend“, weiß Andrea Knoke. Sie ist selbst betroffen und zusammen mit Marion Kallweit ehrenamtlich in den Selbsthilfegruppen tätig. Anfangs, erzählt sie, gab es immer mal wieder bessere Phasen. „Man will es selber nicht wahrhaben.“ Über die Jahre sei es jedoch schlimmer geworden. „Das geht soweit, dass du irgendwann nicht mehr in der Lage bist, dich selbst zu versorgen“, schildert sie die Situation. Selbst ein Telefonat oder Einkaufen gehen seien zu viel. Oft hätten Betroffene auch Schlafstörungen, die die Probleme zusätzlich verstärken. „Irgendwann weißt du, dass es nicht mehr nur schlechte Laune oder ein schlechter Tag ist“, sagt Andrea Knoke.

Welche Schritte sollten Betroffene gehen?

„Über die Situation sprechen, sich jemandem anvertrauen und sein Befinden auf keinen Fall verheimlichen, ist das Wichtigste“, sagt Marion Kallweit. „Am besten spricht man mit Gleichgesinnten darüber“, ergänzt Andrea Knoke. Nichtbetroffene, wie Familienangehörige oder Freunde, könnten die Situation häufig nicht nachvollziehen. Deswegen wünschen sich die beiden Frauen, dass es in Zukunft auch Einrichtungen in Nordenham gibt, in denen sich Angehörige informieren können.

Andrea Knoke hat bereits einen Klinikaufenthalt hinter sich. „Das empfehle ich jedem“, sagt sie, „die holen dich zurück.“ Anschließend hat sie sich an die Selbsthilfegruppe gewandt. Und sie ist sich sicher: „Hätte ich die Gruppe nicht gefunden, wäre ich heute wieder in der Klink.“

Gibt es bestimmte Auslöser für Depressionen?

Für den Ausbruch einer Depression oder einer Angststörung gibt es unterschiedliche Gründe. Viele davon befinden sich tief im Unterbewusstsein. „Es kann von jetzt auf gleich jeden treffen“, sagt Andrea Knoke.

Oft haben Betroffene Probleme im Beruf. Angst, morgens zur Arbeit zu gehen, Angst zu versagen. Bei vielen sind es aber auch traumatische Erlebnisse oder Vorfälle in der Kindheit. Und bei anderen Erkrankten wiederum, wird nie ein bestimmter Grund oder Auslöser für den Ausbruch der Depression gefunden.

Was wird in der Selbsthilfegruppe besprochen?

„Zu Beginn unserer Treffen kommt jeder einmal zu Wort und sagt, wie es ihm geht und was er für Probleme hat“, erzählt Marion Kallweit. „Wenn wir dann merken, dass es einem von uns besonders schlecht geht, dann suchen wir gemeinsam Hilfe und machen demjenigen Mut.“ Zu den wichtigsten Regeln der Selbsthilfegruppe gehört die Schweigepflicht. Nichts von dem, was besprochen wird, gelangt an Außenstehende.

Doch in der Selbsthilfegruppe wird nicht nur gesprochen. Die Gruppe unternimmt gemeinsame Ausflüge, geht Spazieren und veranstaltet Grill- oder Spieleabende. Dadurch sollen die schönen Dinge des Lebens in den Vordergrund gerückt werden. „Das alles würde man als Betroffener niemals alleine unternehmen“, sagt Andrea Knoke.

Wie wirkt sich Corona auf Betroffene aus?

„Die Anfänge der Corona-Zeit waren ganz schlimm“, erzählt Marion Kallweit. Die Betroffenen konnten weniger rausgehen, sie hatten kaum Ablenkung. Vielen fehlte ein geregelter Tagesablauf. „Ein halbes Jahr lang konnten wir uns nicht treffen“, sagt die Nordenhamerin. Eine zusätzliche Belastung durch die Coronakrise sind Existenzängste. „Viele haben jetzt auch noch Geldsorgen und Angst, ihren Job zu verlieren“, sagt Andrea Knoke.

 

Liveticker

Weitere interessante Artikel

Mispeln reifen spät

Mehr als nur Gin

Wacholder als Zierpflanze im Garten

Züchtungserfolge

Knollen, Blätter und Stiele beliebt

Leimringe

Schutz vor Schadinsekten

Rosen

Pflanzzeit

Pimpinelle

Begehrte Schlehen

Garten

Sollte man Stauden vor dem Winter zurückschneiden?

Mähroboter-Randplatten

Klar auf Kante gemäht!

nachhaltigkeit

Selbst Brennholz machen - so klappt es!

geschenktipp

Hobbygärtnern eine Freude machen

steinmännchen

Dekor und mehr: Türme im Garten

gartenneuheit

ClickUp! für mehr Flexibilität im Grünen

tierschutz

Stauden nicht zurückschneiden

Mein Marktstand

Vom Acker auf den Tisch

netzwerk

Nachhaltig einkaufen