Kolumne

Gewalt an Babys während der Corona-Pandemie

Die Corona-Pandemie fordert uns alle heraus. Die zweite Welle hat die Weser-Ems-Region sehr viel stärker erfasst als die erste Welle im Frühjahr, sodass nur die Einhaltung von Kontaktbegrenzungs- und Hygienemaßnahmen einen Kollaps unseres Gesundheitssystems verhindern kann. Die Gesundheitsämter geraten mit der Kontaktnachverfolgung COVID-19-Infizierter an ihre Grenzen. Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf Kinder und Familien sind vielfältig. Durch den Lockdown im Frühjahr mit Schließung von Kitas und Schulen sowie dem Aussetzen der Tätigkeit, beispielsweise von Familienhebammen und Frühförderstellen, fielen wesentliche Betreuungsmöglichkeiten und Unterstützungsangebote für Familien weg.

Am 6. November veröffentlichte die britische Bildungsbehörde Ofsted (Office for Standards in Education) eine Studie über die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Kindergesundheit. Chief Inspector Amanda Spielman berichtete über verstärkten Stress in Familien: „Finanzielle Probleme, Arbeitslosigkeit, Isolation und die enge Nähe haben Familien, die bereits Probleme hatten, zusätzlich unter Druck gesetzt.“ Sozialarbeiter konnten während des ersten Lockdowns nicht regelmäßig die Betroffenen besuchen. Zwischen April und Oktober 2020 wurden im Vereinigten Königreich 64 Fälle bekannt, bei denen Kinder unter einem Jahr absichtlich verletzt worden waren – acht von ihnen starben. Die Zahlen stiegen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 20 Prozent. Diese starke Zunahme sei auf eine „toxische Mischung von Isolation, Armut und psychischen Leiden“ zurückzuführen. Auch die Zahl vermeidbarer Tragödien habe zugenommen: So hätten betrunkene Eltern ihre Babys direkt neben sich auf das Sofa oder ins Bett gelegt und im Schlaf erdrückt. Auch Entwicklung und Verhalten von Kindern wurden durch den Lockdown nachhaltig beeinträchtigt. So hätten Kleinkinder zum Beispiel basale Fähigkeiten wie den Gebrauch von Messer und Gabel verlernt oder wieder eine Windel benötigt. Bei älteren Kindern habe die Ausdauer beim Lesen und Schreiben nachgelassen, Rechenfähigkeiten seien zurückgegangen. Essstörungen und Selbstverletzungen hätten zugenommen, die körperliche Fitness habe sich verschlechtert. Die Expertin forderte: Sozialarbeiter, Hebammen, Hausärzte und andere Experten müssten in der Corona-Krise stärker zusammenarbeiten, um Familien mit Problemen zu unterstützen und insbesondere kleine Kinder so besser zu schützen.

Auch in Deutschland hat die Corona-Pandemie das Leben von Kindern ungünstig beeinflusst und besonders bei Kindern in schwierigen psychosozialen Bedingungen steigen Belastungen, Kindeswohlgefährdungen und daher vermutlich auch psychische Langzeitfolgen. Wir sollten daher jetzt in der zweiten Welle Kinder und Jugendliche besonders im Auge haben. Der kinder- und jugendärztliche Dienst der Gesundheitsämter muss in dieser Phase gestärkt, beantragte Frühfördermaßnahmen müssen kurzfristig geprüft und umgesetzt werden, um besonders gefährdete Kinder in ihrer Gesundheit und Entwicklung zu schützen und unterstützen.

Prof. Dr. Christoph Korenke Klinikdirektor

am Elisabeth-Kinder-

krankenhaus Olden-

burg und Ärztlicher Direktor des Klinikums Oldenburg

 

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