Interview mit Dem Direktor der Karl-Jaspers-Klinik

Wenn die Angst vor der Spritze zu groß ist

Frage: Herr Dr. Figge, sind Sie schon gegen Corona geimpft?

Dr. Christian Figge: Ja, da ich als beratender und versorgender Arzt in einem Pflegeheim in Oldenburg tätig bin, habe ich dort eine Impfung erhalten.

Frage: Und Sie haben keine Angst vor Spritzen?

Dr. Christian Figge: Nein.

Frage: Dann sind Sie vermutlich eher eine Ausnahme.

Dr. Christian Figge: Dass man Angst vor dem Piks hat, ist normal. Das ist ein natürlicher Vorbehalt. Man muss aber verschiedene Arten von Angst unterscheiden.

Frage: Die da wären?

Dr. Christian Figge: Zum einen gibt es die unsachliche Angst vor dem Piks und der Spritze selber, die eigentliche Phobie. Das ist so ähnlich, wie mit der Flugangst oder der Angst vor Spinnen – die haben acht Beine und sind haarig, aber bei uns jedenfalls nicht gefährlich. Auch eine Spritzenphobie ist praktisch unbegründet. Umgekehrt bedeutet das, dass man diese Ängste nicht intellektuell, also durch sachliche Erklärung, lösen kann. Bei Kindern lässt sich dies gut durch Ablenkung überwinden, das geht bei 20-Jährigen jedoch nicht mehr.

Frage: Wie ist sie zu lösen?

Dr. Christian Figge: Wenn die Phobie wirklich tiefgründig ist, muss man sie in einer Psychotherapie behandeln. Das ist wie eine Art Trainingsprogramm, wie bei der Höhenangst, die man überwindet, indem man am Ende den sprichwörtlichen Kirchturm besteigt. Erst schaut man die Spritze an, am Ende fasst man sie dann an. Die Erfolgsaussichten einer solchen Therapie sind sehr gut.

Frage: Davor muss ich jedoch erkennen, dass es sich um eine Phobie handelt. Wie gelingt mir das?

Dr. Christian Figge: Eine Phobie erkennt man. Wenn man konkret an eine Spritze denkt und richtig Angst bekommt, Herzrasen, Schweiß unter den Achseln, das Gefühl von Panik – das ist eine Phobie.

Frage: Und die anderen Arten?

Dr. Christian Figge: Es gibt Menschen, die generell Angst davor haben, durch eine Spritze verletzt zu werden, etwa am Knochen. Diese Personen kann man in der Regel überzeugen, indem man in Ruhe erklärt, wie eine Impfung oder eine Blutentnahme stattfindet und dass eine Verletzungsgefahr ausgeschlossen ist.

Frage: Im Corona-Impfzentrum könnte es diese Zeit nicht geben.

Dr. Christian Figge: In meinem Pflegeheim war die Impfung sehr gut organisiert. Wir waren eine kleine Gruppe und hatten vor der Impfung rund 20 Minuten, in denen wir informiert wurden und in denen jeder seine Ängste äußern konnte. Diese Art von Impfung sollte beibehalten werden. Es wird zudem derzeit darüber gesprochen, dass Hausärzte die Impfungen durchführen. Ich fände das total gut, denn die Impflinge kennen ihre Hausärzte im Gegensatz zu den Personen im Impfzentrum.

Frage: Die Spritze selbst ist vielleicht nicht der Grund für Angst.

Dr. Christian Figge: Viele Menschen sind extrem verunsichert, was den Corona-Impfstoff angeht. Das hat mit einer unglücklichen und zum Teil unehrlichen Informationspolitik zu tun. An der Karl-Jaspers-Klinik ist zum Beispiel ein Viertel der Mitarbeiter ein bis zwei Tage nach der Impfung krank gewesen. Das ist eine völlig normale Immunreaktion.

Frage: Was ist mit Personen, die kein Blut sehen können?

Dr. Christian Figge: Das ist die dritte Gruppe, bei denen eine Ohnmacht droht. Die haben keine Angst vor Spritzen im eigentlichen Sinne, sondern vor der Ohnmacht, die ist ihnen peinlich. Es gibt einen ganz einfachen Trick: Wenn die Spritze gesetzt wird, muss man alle Muskeln anspannen. Das verhindert, dass der zuvor sehr hohe Blutdruck plötzlich absackt und eine Ohnmacht hervorruft.

Frage: Was mache ich, wenn mich selbst plötzlich Angst überkommt?

Dr. Christian Figge: Letztlich bleibt es jedem Einzelnen überlassen, ob er sagt: „Augen zu und durch“, oder: „Ich kann das jetzt nicht“. Man darf den Betroffenen nicht böse sein, wenn sie sagen: „Es geht jetzt nicht“. Bei einem „Nein“ sollte man freundlich versuchen zu erfahren, zu welcher der Gruppen die Betroffenen gehören, da es für jeden adäquate Hilfsangebote gibt.

 

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