Corona-Impfungen in Oldenburg

„Den Impfschutz des Patienten zu optimieren, ist hausärztliche Aufgabe“

Oldenburg - Den Ärmel vom Hemd hochgekrempelt, die vorgesehene Einstichstelle desinfiziert und es kann mit der ersten Impfung gegen das Corona-Virus losgehen. So einfach die Prozedur, so schnell war es am Mittwoch für den 77-jährigen Wolf Engelbart auch schon wieder vorbei. Der Oldenburger war der erste Patient der Hausarztpraxis im Lambertihaus der Fachärztinnen Dr. Maria Bösenberg und Dr. Christina Abt, der mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer gegen das Corona-Virus geimpft wurde. „Das ist absolut wichtig. Andere Länder wie Israel haben nicht geredet, sondern geimpft, die sind schon weiter“, sagt Engelbart. „Richtig“, sagt Bösenberg, „jetzt kommen wir endlich auch in diese Richtung“, und trägt die Impfung in den Impfpass des 77-Jährigen ein.

Hausärztliche Aufgabe

Für Engelbart ist die Impfung durch seine Hausärztin wesentlich einfacher, als wenn er zum Impfzentrum geht. „Ich habe die Leute vor dem Impfzentrum stehen sehen, eine Schlange von 100 Metern, Alte und Gebrechliche“, sagt der 77-Jährige, und nennt einen weiteren Grund, warum die Corona-Impfung durch Hausärzte eine bessere Lösung für ihn ist: „Sie weiß doch genau, wer ich bin.“

Auch Bösenberg und Abt halten die Einplanung der Hausärzte in die Impfstrategie für die richtige Entscheidung. „Es ist unsere Kernkompetenz, wir impfen ja alles andere auch. Den Impfschutz des Patienten zu optimieren, ist hausärztliche Aufgabe“, sagt Bösenberg. Abt fügt hinzu: „Wir können bei Patienten auch vor Ort differenzieren, ob sie tatsächlich eine Priorisierung haben, weil wir sie kennen und genau wissen, welche Grunderkrankungen sie haben.“ Dennoch würde das Impfzentrum seinen Stellenwert behalten, „aber alle müssen mithelfen“, betont Bösenberg.

Engelbert ist nicht der Einzige, der an diesem Mittwoch in der Hausarztpraxis geimpft wurde. Insgesamt waren es 78 Patienten. „Im Augenblick bekommt jeder Arzt im Durchschnitt 26 Impfdosen in der Woche“, sagt Bösenberg, „wir sind drei Ärzte, also haben wir 78 Impfdosen bekommen.“ Dabei wurden am Mittwoch in der Zeit zwischen zwölf und 18 Uhr die Patienten in Sechsergruppen zur Impfung eingeteilt und parallel in sechs Zimmern geimpft. Die Fachärztinnen haben sich für dieses Schema entschieden, weil der Impfstoff in einem Fläschchen abgefüllt ist, aus dem insgesamt sechs Impfdosen herausgeholt werden können.

50 Prozent bis Juni

Vorerst wird nur der Impfstoff von Biontech und Pfizer verimpft. Doch wenn später auch der Astrazeneca-Impfstoff zur Verfügung steht, würden die Fachärztinnen diesen ohne Vorbehalt nutzen. „Aber die Patienten sind natürlich verunsichert, das erfordert sehr viele Diskussionen“, sagt Bösenberg. Dabei sei es wichtiger, dass der Impfstoff vorhanden ist. „Das brauchen wir jetzt, das ist viel wichtiger, als über die seltenen Nebenwirkungen nachzudenken“, sagt die Fachärztin weiter.

Auf der anderen Seite muss sich noch herausstellen, ob sich die Impfung in den Praxisalltag integrieren lässt. „Bei diesem Impfstoff ist das sicherlich nicht abzusehen, weil man wegen der Haltbarkeit des Impfstoffes immer eine Gruppe von sechs Patienten zeitnah impfen muss. Insofern ist da ein gewisser Planungsaufwand“, sagt Abt. Und ob das Ziel der niedersächsischen Gesundheitsministerin Daniela Behrens umsetzbar ist, dass bis Mitte Juni mehr als 50 Prozent der Erwachsenen in Niedersachsen mindestens einmal geimpft wurden, hängt laut Bösenberg von einem Punkt ab: „Es kommt darauf an, ob wir Impfstoff kriegen. Wenn wir den haben, schaffen wir das“, sagt die Fachärztin.

 

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