Piccoplant forschungsstation

Wie feinstes Porzellan: Russischer Flieder von Leonid Kolesnikow

Oldenburg - An warmen windstillen Tagen vermag ein einziger Flieder einen Garten in eine Duftwolke zu hüllen. Sein schwerer, warmer Duft ist weich und unvergleichlich. Die Duftstoffe sind in den Zellen an der Oberfläche der Blütenblätter eingelagert. Mit dem Erblühen des Flieders entfalten sie sich kontinuierlich, auch noch nach dem Vasenschnitt. „Die wachsartigen Blütenblätter halten die ätherischen Öle lange und verhindern, dass sich ihr Duft vor dem Welken verflüchtigt“, so die leidenschaftliche Fliedersammlerin beim Schneiden von üppigen Blütenzweigen.

Nach dem Biotechnologiestudium verbindet Elke Haase die Biotechnologie und den modernen Gartenbau mit der Gründung eines Forschungslabors. Der Firmenname piccoplant bedeutet „kleine Pflanze“ und bezeichnet die Mikrovermehrung im Labor. Jungpflanzen von vitalen Mutterpflanzen bilden in der In-vitro-Kultur ein gut verzweigtes Wurzelsystem, eine geringere Neigung zur Ausläuferbildung sowie einen kompakten Wuchs. In der Baumschule kultivieren Gärtner die Jungpflanzen weiter zu verkaufsfertigen Sträuchern. Heute ist die Unternehmerin mit über 600 Fliedersorten Weltmarktführerin.

„Flieder ist ein Charakterstrauch der Landgärten, die klassische Heckenpflanze der dänischen Insel Fünen und eine der großen Modepflanzen des 19. Jahrhunderts“, berichtet die Spezialistin, die jüngst im Botanischen Garten in St. Petersburg einen Vortrag zum Jubiläum der legendären Gärtnerdynastie „300 Jahre Baumschule Späth“ hielt. Denn parallel zu dem französischen Züchter Viktor Lemoine (1823 – 1911), der die ersten gefüllten Fliedersorten züchtete, konzentrierte sich auch Ludwig Späth (1861 – 1947) in Berlin auf die Duftsträucher. Die Klassiker Syringa vulgaris ‘Mme Lemoine’ mit weißen, mehrfach gefüllten Blüten und S. vulgaris ‘Andenken an Ludwig Späth’ mit dunkelpurpurroten einfachen Blüten erinnern an die damalige „Fliederblütenzeit“.

Im 20. Jahrhundert führten russische Gärtner die Fliederzüchtung weiter, die politischen Verhältnisse verhinderten jedoch ihre Entdeckung durch westeuropäische Gartenliebhaber. „Ich bin fast verrückt geworden, als ich die Traumsorten bei einer Ausstellung in Russland das erste Mal sah“, erzählt Elke Haase begeistert. „Mit sonnenstabilen Farben und faszinierendem Duft türmen sie sich zu herrlichsten Blütenmeeren auf.“ Fortan vermehrt sie neben historischen Klassikern und modernen Sorten auch die seltenen russischen Raritäten. Wie S. vulgaris ‘Polina Osipenko’. Die nach der berühmten Jagdflugzeugpilotin benannte Sorte blüht rosa auf und geht dann, leicht lila changierend, ins Weiße über. Ausgesprochen elegant wirken ihre kelchförmigen Blütenblätter, deren oberer Teil wie kleine, gefüllte Rosen anmuten. Die historische Sorte ‘Pamyat o Kolesnikove’ erinnert an den bedeutenden Fliederzüchter Leonid Kolesnikow (1893 – 1973). Cremegelbe Knospen öffnen sich zu dicht gefüllten, strahlend weißen Blüten. „Die großen, in Kaskaden auf dem Busch liegenden Rispen sitzen dicht an dicht und sind übervoll mit ovalen, nach oben ausgerichteten Blumenblättern, die wie kleine, aus feinstem Porzellan gegossene Rosen wirken“, schwärmt Elke Haase. Einzigartig in ihrer Form und für viele Liebhaber die schönste Weiße. Dieser Fliederpracht ist die romantische russische Seele ergeben. Unvorstellbar – ein Klavierkonzert von Rachmaninow ohne opulente Sträuße aus weißem Flieder!

 

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