Vater von autistischem Jungen blickt nach vorne

„Ich habe wieder gelernt zu lachen“

Oldenburg - Dass Viktor Litau in Ruhe mit seiner Tochter Taisija Zeit verbringen kann, hätte er vor wenigen Monaten für unmöglich gehalten. Und doch sitzt er jetzt mit dem jungen Mädchen und seiner Frau im Kinderzimmer und spielt.

Etwas mehr als zwei Monate ist es her, dass das Leben der Familie nach mehrfacher Berichterstattung durch die NWZ eine entscheidende Wendung genommen hat. Denn seit dieser Zeit befindet sich der schwer autistische Sohn Wladislav in einer stationären Therapie. Die Betreuung von Wladislav war bis dahin die einzige Aufgabe im Leben von dessen Vater. Der ist mehr als 1,5 Jahre mit seinem Sohn im Auto durch Oldenburg gefahren. Denn nur so konnte er Wladislav beruhigen, der sonst sich selbst und die Menschen in seiner Umgebung angegriffen und verletzt hat.

Der Hilfeschrei

Zwei Monate, nachdem er die Therapie in der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie im Marien Hospital Papenburg Aschendorf begonnen hat, berichtet Viktor Litau, wie sich das Leben der Familie in Oldenburg und das ihres Sohnes verändert haben. „Als wir im September mit der Geschichte an die Öffentlichkeit gegangen sind, war das ein Hilfeschrei. Wir wussten nicht, wie es weitergehen soll“, berichtet Viktor Litau.

Mittlerweile habe sich die Situation deutlich verbessert. „Wir haben viel erreicht und sind sehr zufrieden mit der Entwicklung von Wladislav“, sagt sein Vater, dem die Erleichterung anzusehen ist.

Dass das aggressive Verhalten deutlich zurückgegangen ist, sei eine der positivsten Entwicklungen. Aber auch, dass Wladislav sich stärker auf andere Personen einlasse, sei ein toller Erfolg der Therapie.

Interesse an Musik geweckt

Und noch etwas verblüfft Viktor Litau. Denn sein Sohn habe zum ersten Mal Interesse an Musik gezeigt. „Das war früher unvorstellbar. Wenn das Radio oder der Fernseher liefen, war das zu stressig für ihn, da ist er sehr schnell aggressiv geworden.“

Interesse scheint Wladislav auch an Tieren gefunden zu haben. „In der Klinik in Aschendorf gibt es einen Hund, auf den er positiv reagiert hat“, weiß Viktor Litau, der seinen Sohn dort regelmäßig besucht hat.

Klinikteam wagt weiteren Schritt

All diese Entwicklungen hätten schließlich dazu geführt, dass das Klinikteam einen weiteren Schritt wagen will. „Wladislav hat einige Tage in einem Heim in Bremen verbracht – zum Probewohnen“, sagt sein Vater. „Auch dort gibt es einen Hund, mit dem der Kleine sich angefreundet hat. Vielleicht kann er dort unterkommen.“ Die Entscheidung sei aber noch nicht getroffen.

Langfristig wollen die Eltern ihren Sohn wieder zurück in die Familie holen. „Bis dahin müssen wir aber noch viel mehr erreichen“, sagt Viktor Litau, dem die Trennung sehr schwer gefallen ist.

Ein ganz großes Loch

„Auf einmal war da ein ganz großes Loch in meinem Leben, das ich bis heute noch nicht wieder füllen konnte. Die ganze Struktur, die ich vorher hatte, war auf einmal kaputt“, erinnert sich der 40-Jährige. Deshalb sei er an den ersten Tagen nach der Trennung auch weiter mit dem Auto durch die Stadt gefahren.

Nach und nach habe er sich dann aber neue Aufgaben gesucht und mehr Zeit mit seiner Familie verbracht. „Ich habe viel mit beiden anderen Kindern gespielt, dafür gab es früher fast keine Zeit“, sagt der Familienvater. „Und ich habe wieder gelernt zu lachen.“

„Haben wir das Richtige getan?“

Trotzdem gehe es ihm nicht immer nur gut. „Meine Frau und ich fragen uns oft, ob wir das Richtige getan haben. Vom Kopf her ist uns klar, dass wir richtig handeln. Das Herz versteht die Entscheidung aber nur schwer, es ist schließlich unser Kind, das wir weggegeben haben. Vor allem Irina als Mutter macht die Trennung zu schaffen. Wir blicken trotzdem nach vorne“, sagt Viktor Litau.

 

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