Messstation im Landkreis Oldenburg

So entsteht die Pollenflug-Vorhersage für den Nordwesten

Ganderkesee-Grüppenbühren - Es ist noch Vormittag, doch auf der Pollenfalle liegt bereits ein gelber Film: Ein Zeichen dafür, dass bereits einige Pollen unterwegs sind. Die große Menge erstaunt jedoch auch Dr. Reinhard Wachter, der die Falle auf seinem Grundstück in Grüppenbühren (Gemeinde Ganderkesee, Landkreis Oldenburg) aufgestellt hat. So misst er jeden Tag die Pollenbelastung in der Luft.

„Die Falle hat eine kleine Öffnung, durch die die Luft angesaugt wird. In der Falle befindet sich ein Klebestreifen, auf dem die Pollen haften“, erklärt Wachter. Dieser ist auf einer Trommel befestigt, die sich dreht. So kann Wachter genau nachvollziehen, wann welche Pollen unterwegs waren. Auf seine Daten greift auch der Deutsche Wetterdienst (DWD) und der Polleninformationsdienst (PID) zurück, der Biologe betreibt die einzigen zwei Messstationen im Nordwesten. Die zweite steht auf dem Dach des Gymnasiums an der Willmsstraße in Delmenhorst.

Vorhersagen für Region

DWD und PID stützen ihre Pollenflug-Vorhersagen ganz auf die Daten, die Wachter mit seinen zwei Messstationen sammelt. „Eigentlich handelt es sich um zwei punktuelle Messungen, bei denen auch erst im Nachhinein der Pollenflug festgestellt werden kann“, sagt Wachter. Wie hoch die Pollenbelastung an einem Ort konkret ist, hängt schließlich von vielen Faktoren ab, beispielsweise welche Pflanzen sich in der Nähe befinden.

Sind die Vorhersagen also reine Spekulation? „Nein“, erklärt Wachter, „durch die Messungen an jedem Tag lassen sich Tendenzen ermitteln, auf die kommt es an“. Zudem misst der Biologe, der sich in seiner Habilitation mit Pollen in Mitteleuropa beschäftigt hat, seit 1981 in Delmenhorst und seit 1994 in Grüppenbühren: „Durch diese Kontinuität entsteht die Genauigkeit und die Repräsentativität der Messungen für den Bereich Weser-Ems.“ Von seinen Daten profitieren Allergiker, die sich somit zumindest auf eventuelle Belastungen vorbereiten oder Beschwerden im Nachhinein zuordnen können. „Ich bin selbst auch Allergiker. Im Rahmen meiner Promotion untersuchte ich das Blühverhalten von Beifuß, habe dabei größere Mengen eingeatmet, dadurch ist die Allergie ausgebrochen“, erklärt Wachter.

Mittel gegen Allergie

Sein Mittel gegen die Symptome der Allergie befindet sich nur ein paar Meter von der Messstation entfernt, im Bienennest: „Die Tiere kleiden ihr Waben mit einem Antibiotischen Stoff, genannt Propolis, aus. In Alkohol gelöst, kann man sich dies auf die Zunge tropfen“, sagt Wachter. Fertige Propolis-Lösungen sind im Handel erhältlich. Beim Ernten des Honigs falle zudem Wachs an. „Dort ist alles mögliche enthalten. Wenn ich dies in den Mund nehme und kaue, habe ich keine Beschwerden“, berichtet Wachter.

Sehr wirkungsvoll ist jedoch auch etwas, was seit Corona ohnehin jeder besitzt: eine Schutzmaske. Denn wo Viren schwieriger durchkommen, dringen auch weniger Pollen ein. „Und jetzt hat auch niemand mehr Scham, eine Maske aufzusetzen.“

Die Internetseite von Reinhard Wachter erreichen Sie unter: www.pollenflug-nord.de

 

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