Pikieren

Vereinzeln fördert das Wachstum

Im Frühjahr mit seinen noch häufigen Nachtfrösten gibt es im Freiland momentan nicht allzu viel auszusäen.

Vielen unserer beliebten Nutz- und Zierpflanzen ist aber der Sommer bei uns zu kurz, zumal sie wegen ihrer Empfindlichkeit gegenüber Kälte erst Ende Mai ins Freiland ausgesät werden dürfen.

Eine Vorkultur auf der warmen Fensterbank oder im frostfreien Gewächshaus ist daher notwendig, um nach den Eisheiligen starke Jungpflanzen ins Freiland setzen zu können. Es reicht aber oft nicht aus, die Pflanzen einfach auszusäen, um sie später auszupflanzen; viele Gemüse- und Blumenpflänzchen benötigen ein ein- oder zweimaliges Vereinzeln, das man Pikieren nennt. Durch dieses Vereinzeln gelangt man zu besonders wüchsigen Setzlingen, die zudem einen kräftigen Wurzelballen besitzen.

Zu den kälteempfindlichen Nutzpflanzen, die im Hause vorgezogen werden, gehören Artischocken, Auberginen, Paprika, Sellerie und Tomaten. Als Anzuchterde bietet sich Kompost an, der mit etwas Sand vermischt wird, oder man kauft sich Vorzuchterde. Zum Vorziehen eignen sich flache Schalen und Kisten. Artischocken und besonders Auberginen vertragen kein Pikieren und werden gleich einzeln in kleinen Töpfchen mit Vorzugserde ausgesät. Tomaten, Paprika, Sellerie und Melonen müssen sogar zweimal pikiert werden: das erste Mal, sobald sich das erste richtige Blatt zeigt und zum zweiten Mal nach dem zweiten Blattpaar.

Mithilfe eines kleinen Pflanzstockes hebt man dazu die kleinen Pflänzchen an, ohne die Wurzeln zu beschädigen, nimmt die Pflanze heraus, kürzt zu lange Wurzeln und pflanzt sie in ein neues Töpfchen oder einen größeren Kasten mit allseitigem Abstand von fünf Zentimetern bzw. bei größeren Pflanzen mehr. Zum Pikieren der kleinen Selleriepflänzchen zieht man in Kästen mit dem Lineal eine Furche, legt die Pflanzen nebeneinander dort hinein und drückt den Boden danach wieder an. Frühsalate, Frühkohlrabi und -kohlsorten, Porree und Neuseeländer Spinat werden einmal vereinzelt, wobei die Pflänzchen so tief zu setzen sind, dass die Keimblätter direkt über dem Boden stehen.

Wichtig ist auch ein häufiges Lüften und Abhärten nach der Keimung, damit nicht schwache, langhalsige Pflänzchen entstehen, die sofort umfallen oder leicht Schwarzbeinigkeit, das sind verfaulte Stängel, entwickeln. Das Problem mit den sogenannten Fußkrankheiten bei Keimlingen entsteht durch die hohe biologische Aktivität vor allem der Pilze im Vorzuchtssubstrat; deshalb ist es auch für die Pflanzenanzucht sinnvoll, den Boden mit etwas Wasser, z.B. in einem Waschkessel, zu dämpfen.

Große Samenkörner wie Kürbis, Gurken oder Große Bohnen legt man gleich in mit Vorzuchtserde gefüllte Töpfchen. Einjahresblumen, die sich zum Vorziehen eignen, wie Sommerastern, Cosmea, Zinnien, Tagetes, Levkojen, Löwenmaul und Strohblumen, brauchen nicht vereinzelt zu werden, wenn sie dünn ausgesät wurden und genug Platz haben; ansonsten ist ein einmaliges Pikieren natürlich notwendig. Als Schutz vor weiteren pilzlichen Erkrankungen gießt man die Pflanzen mit der Brauseflasche, wobei der Boden benetzt wird, aber nicht die Pflanzen.

Mit Ausnahme der kälteempfindlichen Pflanzen, wie z.B. Tomaten und Paprika, beginnt man bei sonnigem Wetter im Mai die Pflanzen abzuhärten und stellt sie ins frostfreie Gewächshaus oder unter einen Folientunnel. So gibt es keine Wachstumsschwierigkeiten, die sonst leicht auftreten, wenn hoch gewachsene Pflänzchen aus der warmen Stube von einem Tag auf den anderen plötzlich nachts im noch kalten Freiland stehen.

 

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