Größere Unsicherheiten

Corona-Maßnahmen belasten Hebammen zusätzlich

Rostock (dpa/mv) - Einige Berufe kommen auch in Zeiten von Corona nicht ohne Nähe aus. Dazu zählt der Job der Hebammen. Viele der ohnehin gut ausgelasteten Geburtshelferinnen haben durch die Corona-Pandemie noch mehr zu tun.

Schuld daran ist nicht etwa der von einigen erwartete Corona-Babyboom. Stattdessen werden aus Gruppen- Einzelkurse, verunsicherte Eltern haben noch mehr Fragen oder frischgebackene Mütter verlassen früher das Krankenhaus.

Schon nach zwei Tagen nach Hause

"Wenn die Frauen auch tatsächlich gleich nach der Geburt nach Hause gehen, ist die Betreuung natürlich viel intensiver", erklärte Kathrin Herold, Vorsitzende des Landeshebammenverbandes. Einige verlassen eher das Krankenhaus, etwa weil die dortigen Corona-Beschränkungen Besuche erschwerten, wie verschiedene Häuser im Land bestätigten. Dann sind ambulant arbeitende Hebammen stärker gefordert.

Julia habe es hingegen als angenehm empfunden, dass es auf der Station durch die Kontaktbeschränkungen ruhiger war. Ihr Sohn Friedrich wurde vor über vier Wochen im Rostocker Südstadtklinikum geboren. Ihren Partner Florian musste die frischgebackene Mutter später am Fahrstuhl verabschieden. "Das fand ich sehr schade, da wir unseren kleinen Familienzuwachs nicht zusammen genießen konnten." Sie seien schon nach zwei Tagen nach Hause gekommen, nicht wegen Corona, sondern weil dem nichts im Weg gestanden habe. Seitdem ist die Familie von Hebamme Herold betreut worden. Herold sei eine großartige Stütze, lobte die Mutter. "Sie gibt uns Kraft und Sicherheit." Ihren Geburtsvorbereitungskurs hatte Julia bei einer anderen Hebamme per Videokonferenz absolviert.

Hygienemaßnahmen und kleine Gruppen

Laut Schweriner Gesundheitsministerium sind Geburtsvorbereitungskurse mit mehreren Menschen derzeit nur dann zulässig, wenn sie medizinisch, therapeutisch oder pflegerisch notwendig sind. Bei Hausbesuchen oder in der Praxis sind die gängigen Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Es gebe zwar noch Hebammen, die etwa Geburtsvorbereitungskurse in kleineren Gruppen durchführten, wenn dies die Räumlichkeiten zuließen, sagte Herold. "Wir empfehlen als Hebammenverband, ausschließlich Online-Kurse durchzuführen."

Ingrid Rösing, Hebamme in Röbel, gibt zu bedenken: "Das kann man in Großstädten machen, aber nicht auf dem Land." Die Frauen in den kleinen Dörfern ringsum hätten viel zu schlechtes Internet. Ihnen schickt Rösing die Kurse verschriftlicht als Datei. Außerdem treffe sie sich mit den Frauen einzeln in ihrer Praxis. Die Hebamme will sich schützen, da sie über 60 sei und erst eine Impfung habe.

Auch Maria Lustig, Hebamme im nahe gelegenen Wesenberg, betreut Frauen, die mehrheitlich schlechtes Internet hätten. Für die Geburtsvorbereitung gebe sie Einzelkurse in ihrer Praxis - "wo ich nicht weiß, wie lange ich das noch durchhalte." Am Wochenende schaffe sie sechs Paare. Danach sei sie völlig erledigt.

Größere Unsicherheiten

Laut Lustig sind die einzelnen Betreuungen derzeit intensiver. "Die Leute haben viel größere Unsicherheiten, vor allem was die Geburt betrifft." Dürfen die Männer mit dazu und wie geht das mit Corona? Zudem fehle frischgebackenen Müttern der Kontakt zu anderen Müttern, etwa weil die Gruppenkurse wegfielen. Daher wenden sie sich häufiger mit Fragen an die Hebammen.

Herold betonte, dass die Corona-Pandemie Familien ohnehin belaste, etwa wegen geschlossener Kitas, Homeoffice oder weil Unterstützung von den Großeltern fehle. "Die Eltern haben überhaupt keine Zeit zum Luftholen." Davon seien zum Teil auch Hochschwangere oder Mütter von Neugeborenen betroffen. Mit Blick auf die derzeitigen Widrigkeiten auch für sie betonte Herold: "Trotzdem liebe ich meinen Job."

© dpa-infocom, dpa:210504-99-459200/9

 

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