Staudenvielfalt

Der Trend geht zum wilderen Garten

Wer sich im heimischen Garten für Stauden entscheidet, macht in vielerlei Hinsicht alles richtig. Stauden blühen mehrjährig und bieten das ganze Jahr über Vielfalt für Mensch und Natur und dienen als Nahrungsquelle und Unterschlupf für die Tierwelt. Staude des Jahres 2021 ist die Schafgarbe. Aber auch Pfingstrose, Lavendel, Sonnenhut, Funkien oder Storchschnabel bestechen mit tausend Gesichtern, Farben und Formen. Wir sprachen mit der Staudengärtnermeisterin Nicole Klattenhoff, Geschäftsführerin der Stauden Ring GmbH, über das vielseitige Gewächs.

Was ist vor der Pflanzung von Stauden zu beachten?

Am Wichtigsten sind die Beschaffenheit des Bodens und der Lichteinfluss. Stauden mögen grundsätzlich durchlässige Böden am liebsten, bei denen das Wasser gut ablaufen kann. Verdichtete Böden mögen sie gar nicht. Stehen die Wurzeln dauerhaft im Wasser, bekommen sie zu wenig Sauerstoff und neigen zu Pilzbefall. Den Boden vor der Pflanzung mit einer Grabgabel gut auflockern, damit er durchlässiger wird, halte ich für ratsam. Je nach Staudenauswahl können Zusätze sinnvoll sein: zum Beispiel das Einbringen von Bodenaktivator ist bei verarmten Böden ratsam. Lehmige, verdichtete Böden, die zu Staunässe neigen, können mit Sand und Splitt durchlässiger gemacht werden. Bei leichten Sandböden verbessert Kompost die Bodenstruktur. Zur Pflanzenauswahl: Ich würde immer mal auf die Nachbarpflanzen schauen und dann überlegen, welche Stauden sich hier noch wohl fühlen könnten. Künstliches Anpflanzen funktioniert nur selten.

Das ähnelt dem Prinzip des Blackbox-Gardenings. Teilen Sie diese Ansicht?

Das hängt von der Sortenauswahl ab. Wenn ich Stauden auswähle, die sich selber aussäen und ich mit der ‚Wildheit‘ im Garten leben kann, dann ja. Bei diesem Prinzip überlässt man der Pflanze die Aussaat. Sie sucht sich dann die Stelle im Garten, an der sie die besten Bedingungen vorfindet. Man weiß hier nie, wie sich der Garten dann im kommenden Jahr entwickelt. Ich kann durch gezieltes Ziehen der Sämlinge die Gestaltung steuern. Stauden mögen viel Ruhe und je besser sie an ihren individuellen Standort angepasst sind, desto gesünder werden die Pflanzen wachsen.

Welche Fehler sollte man beim Umgang mit Stauden unbedingt vermeiden?

Ein absolutes No-Go ist das Hacken in Staudennähe. Damit kappt man die jungen, zarten Wurzeln der Staude, über die sie Wasser und Nährstoffe aufnimmt. Stattdessen sollte man Grubbern, um die obere Bodenschicht zu lockern, damit Wasser und Nährstoffe in den Boden gelangen und für die Stauden verfügbar sind. Am besten händisch das Unkraut rund um die Staude entfernen.

Welchen Vorteil bieten Stauden für den heimischen Garten?

Die Pflanzenauswahl ist sehr vielfältig in Form und Farbe. Da sich die krautigen Pflanzenteile angenehm schneiden lassen, sind sie leichter zu pflegen als Gehölze. Manchmal braucht man ein wenig mehr Geduld, wie bspw. bei der Pfingstrose, die es nicht mag, wenn man sie verpflanzt. Stauden sorgen für ein inspirierendes Gartenbild. Und was auch in Zukunft immer wichtiger wird: Stauden sorgen für ein buntes Treiben im Garten. Insekten und Vögel finden hier Nahrung und einen natürlichen Lebensraum. Daher tragen Stauden einen sehr wichtigen Teil zum natürlichen Ökosystem bei. Sie bieten zu jeder Jahreszeit etwas Anderes. Es ist also immer etwas los.

Wann sollte man Stauden einpflanzen und zurückschneiden?

Wir sagen immer, der optimale Pflanzzeitraum ist der frühe Herbst, also ab Mitte September. Da ist der Boden durch die in der Regel etwas kühleren Nächte feucht genug und die Sonne ist nicht mehr so heiß. Das bedeutet weniger Stress für die jungen Pflanzen. Mit der Energie aus dem Herbst wird die Staude dann im Frühjahr gleich viel größer und kräftiger. Zurückschneiden sollte man die Stauden erst nach den Frösten im Frühling. Also unbedingt so lange warten. Für die Pflanzen ist das der beste Winterschutz und bietet für Tiere einen Unterschlupf.

Worauf muss ich beim Kauf besonders achten? Woran erkenne ich gute Qualität?

Wenn ich Eigenwerbung machen darf, natürlich auf das Logo des Stauden Rings, da wir aus der Region für die Region kultivieren und unser Stauden abgehärtet sind. Aber generell sollten Stauden gekauft werden, die im Handel in Freiflächen stehen, da sie ja später auch in den Garten kommen. Oft wachsen Stauden in Gewächshäusern künstlich schon viel zu schnell. Langsames Wachsen bringt eine üppige Wurzelstruktur, das tut den Stauden immer sehr gut. Haben die Stauden im Handel schon gelbliche Blätter und sind mit Moos und Unkraut im Topf übersäht, ist das oft eher ein Nachteil und sie scheinen überaltert.

Welche Trends zeichnen sich bei Stauden im Zukunft ab?

Alles, was naturnah ist. Wildstauden sind sehr beliebt: Storchschnabel, Margeriten, Flammenblumen, Schlüsselblumen, Salbei und auch Gräser. Der Trend geht zum wilderen Garten mit einer hohen Biodiversität.

 

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