FLOWER GIRLS

„Die Sehnsucht nach etwas Grünzeug“

Hürth - Die beiden haben sich zusammen zwei grüne Standbeine geschaffen. Wie könnte es bei einem Blog, der Grüneliebe heißt, auch anders sein, als dass Sandra und ihr Mann Andreas die Leidenschaft für Garten, Gemüse und Kochen teilen. Und die Dritte im Bunde? Pandai, eine fröhliche Mischlingshündin, die durchaus des Öfteren begeistert mitbuddelt und gute Laune verbreitet.

Sandra erzählt

Ursprünglich hatte ich mit Gärtnern nicht allzu viel am Hut. Auch nicht, als ich mit 14 Jahren mit meinen Eltern in ein Reihenhaus mit Garten zog. Meine Oma wollte ihn mir so gerne schmackhaft machen, aber die Aussicht auf Kohlrabi und Saubohnen konnte mich als Teenager nicht hinterm Ofen vorlocken. Aus dem Teenager wurde eine junge Frau, die eine Ausbildung zur Industriekauffrau absolvierte und parallel BWL studierte. Ich arbeitete viele Jahre erfolgreich im Marketing, bis irgendwann eine Stimme in mir sagte: Du möchtest einen Garten. Du möchtest etwas mit deinen Händen arbeiten. Du möchtest raus an die frische Luft. Wie kann ich beides miteinander verbinden?

Ich brach erst mal alle Zelte hinter mir ab und bin auf Weltreise gegangen. Mit einem kleinen Wermutstropfen im Gepäck: Ich hatte kurz vor der Abreise den Mann meines späteren Lebens kennengelernt.

Vom Balkon zur Parzelle

Die Reise wurde etwas abgekürzt, wir zogen zusammen in eine Wohnung mit Balkon, und dann war sie da – die Sehnsucht nach etwas Grünzeug. Zunächst beschränkt auf ein paar Kräuter und die üblichen Tomaten, die typischen Anfängerpflanzen. Es dauerte aber nicht lange und der Balkon platzte aus allen Nähten. Ich musste also vergrößern und mietete eine Parzelle. 2 mal 25 Meter blanker Acker. Für mich völliges Neuland, ich wusste nicht einmal, wie eine Kartoffel wächst. Hatte aber den Ehrgeiz, eigenes Gemüse anzubauen, und fand es total spannend zu beobachten, wie aus einem kleinen Samenkorn in kürzester Zeit eine riesige Pflanze wird. Und dann auch etwas, was später auf meinem Teller landet. Ich war glücklich. Ich hatte einen Beruf, einen Garten, der mich im wahrsten Sinne des Wortes geerdet hatte, und einen Mann, der mich tatkräftig unterstützte. Gleichzeitig führte ich so eine Art Bildertagebuch im Internet, eigentlich nur, um Freunden und Familie von meinem neuen Abenteuer Gemüsegarten zu erzählen. Das war quasi das Samenkorn des Blogs, aus dem mittlerweile sehr viel mehr als nur ein Tagebuch geworden ist. Eines der grünen Standbeine eben, das so viele Leser mit allem rund um den Nutz- und Naschgarten versorgt.

Vom Mietgarten zur eigenen grünen Oase

Inzwischen ist aus der Wohnung mit Balkon ein Haus geworden, aus dem Mietgarten rund 500 Quadratmeter Grund direkt vor der Terrassentür. Selbstverständlich mit allem Drum und Dran: Gemüsegarten, Hochbeete, Staudenbeete und Gewächshaus. Ich bin vor allem Gemüsegärtnerin. Natürlich steht in erster Linie der Selbstversorgergedanke dahinter, allerdings beschränke ich mich auf unser Lieblingsgemüse wie Tomaten, Gurken, Zucchini und Kürbis. Leider, weil manche Gemüsesorten in eigener Aufzucht wesentlich mehr Aufwand und Investition bedeuten als sie letztendlich im Supermarkt kosten, und vor allem, weil unser Platz beschränkt ist. Um unseren Bedarf an Kartoffeln und Zwiebeln komplett selbst zu decken, bräuchte man dann doch einen kleinen Acker.

Aber Garten ist für mich noch viel mehr. Gärtnern ist fast schon eine Art Therapie für mich. Gardening is cheaper than therapy and you get tomatoes – das trifft voll und ganz auf mich zu. Im Garten kann ich absolut die Zeit vergessen. Es ist für mich einfach erfüllend, meine Pflanzen vom Werden bis zum Vergehen zu begleiten. Sie zu beobachten. Sachen auszuprobieren. Ich muss da keine To-do-Listen abhaken, manchmal lasse ich den Garten einfach Garten sein. Ich lasse auch manches Unkraut wachsen, einfach, weil es so schön ist. Und selbst wenn ich mir Pflanzpläne mache, werden sie oft bei der Umsetzung wieder verworfen, weil ich hier noch eine Pflanze dazusetze, dort könnte noch etwas anderes rein und außerdem habe ich noch ein paar Pflanzen für dieses Beet übrig und so weiter. Es kommt sogar manchmal vor, dass ich das Ernten fast vergesse. Wie beim Flower Sprout, einer Kreuzung aus Rosenkohl und Grünkohl. Das Gemüse bildet keine Röschen, sondern richtige Blüten. Die fand ich so schön, dass ich sie so lange wie möglich im Beet haben wollte. „Ernte gut – alles gut, vergiss nicht zu ernten“, erinnert mich mein Mann dann.

Wir hatten keinen Plan, wir sind einfach unserer Leidenschaft gefolgt. Und ich bin stolz darauf, dass wir uns das alles so aufgebaut haben. Und dass wir von dem, was wir lieben, auch leben können: in der Erde buddeln, dreckige Fingernägel als Dauerzustand und darüber schreiben dürfen.

Und wenn wir nicht schreiben, fotografieren oder im Garten zu finden sind, rollen wir von Hand (und natürlich mit viel grüner Liebe) Saatbomben und machen damit die Welt ein bisschen bunter.* *Anmerkung der Redaktion: www.miss-greenball.de

 

Blaulicht-Ticker

Weitere interessante Artikel

Kompost

Alle Gartenabfälle eignen sich

Nutzgarten

Eine Bodenuntersuchung hilft

Laub schützt Pflanzen und Beete

Obstbaumkrebs

Naturnaher Garten in Sage

Maik Behrens hat sich einen Plan zurechtgelegt

Zimmerpflanzen

Weihnachtsfreude im Topf

Düngung

Kalk aktiviert den Boden

Orts- und Bürgerverein Schwaneburgermoor

44 Helfer pflanzen 1700 Narzissen und 1700 Krokusse

Weihnachtsdeko Garten

Stern aus Weidenruten

Vorzucht

Reicher Ertrag mit Kulturpilzen

Oleander

Vor Frost schützen

Zwiebeln auslegen

Stadt erinnert an Rückschnitt

Feiner Unterschnitt zwischen Formschnitt und Rückschnitt in Oldenburg

Botanischer Garten in Neuenkoop

Letzte Führung der Saison im Arboretum Neuenkoop

Bis März in Winterruhe

Eine letzte Führung der Saison im Arboretum in Neuenkoop

FLOWER GIRLS

"Für mich gibt es keine Gartenarbeit, ich gärtnere"