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„Für mich gibt es keine Gartenarbeit, ich gärtnere“

Oerlinghausen - Glück auf Grün. Das findet man bei Xenia. Nicht nur der Garten wird glücklich, nein, auch der Gärtner oder die Gärtnerin. Wer eine grüne Seele hat, stolz auf seine erdverkrusteten Hände ist, dem werden ihre authentischen Gartengeschichten größtes Vergnügen bereiten. Eine Mischung aus Prosa, Reiseberichten, Interviews und Gartentipps. Und es geht auch um den Erhalt von Schrebergärten, um den Kampf gegen Investoren, Planierraupen und den Schwund urbaner Grünflachen.

Xenia erzählt

Es sah zunächst überhaupt nicht danach aus, als könnte ich mich jemals für Gärten, für Blumen und deren Hege und Pflege begeistern. Als Kind schaute ich meiner Mutter lieber vom Liegestuhl aus beim Unkrautjäten zu, als mit anzupacken. Mein Gartenwissen beschränkte sich lange Jahre ausschließlich darauf, dass Pflanzen nach heißen, trockenen Tagen Wasser brauchen. Damit war das Thema für mich erst mal erledigt. Ich war völlig zufrieden in meiner Wohnung mitten in Berlin. Bis eines Tages meine Tante anrief. Sie suchte wegen ihres bevorstehenden Umzugs einen Nachfolger für ihren Schrebergarten und fragte mich, ob das nicht für meinen Schwiegervater interessant wäre. Und dann hörte ich mich zu meinem eigenen Erstaunen sagen: Nein, den will ich haben! Dazu muss erwähnt werden, dass dieser Garten zehn Minuten zu Fuß von uns entfernt ist und ich in all den Jahren nicht einmal dort war.

Ich weiß bis heute nicht, was mich da geritten hat, aber der Funke war übergesprungen. Bis zur Übernahme des Schrebergartens hatte ich noch ein halbes Jahr Zeit, mich mit dem Thema Garten vertraut zu machen. In der Theorie zumindest. Also wurden Bücher angeschafft. Meine Gartenbuchbibliothek war geschätzt mit um die hundert Exemplaren recht schnell auf Höchstniveau ausgestattet, nur praktisch wusste ich genau gar nichts. Unterstützung von meinem Mann konnte ich nicht erwarten. Wenn du glaubst, du brauchst das, dann machst du das mal schön alleine – ich höre ihn heute noch. Gesagt, getan. Ich hangelte mich an meinen Büchern entlang. Ein ganz kleines Büchlein über Rosen, geschrieben von Heide Rau, war meine Erweckung. Nach dieser Lektüre wusste ich, was ich wollte.

Natürlich habe ich am Anfang Fehler gemacht, viele Fehler. Zum Beispiel viel zu dicht gepflanzt. Mein erstes Beet war so vollgestopft mit Rosen, dass ich wieder welche rausnehmen musste. Aber letztendlich bin ich an meinen Erfahrungen gewachsen, mein Garten Gott sei Dank auch. Den Rest habe ich mir auf diversen Gartenreisen angeeignet und im eifrigen Austausch mit anderen Gartenbegeisterten. Dadurch konnte ich mir wenigstens deren schlechte Erfahrungen schon mal ersparen.

Der Blog kam erst 15 Jahre später dazu, 2014. Er entstand ursprünglich aus einem politischen Beweggrund. Die Schrebergartenkolonie, zu der mein Garten gehört, ist über hundert Jahre alt und befindet sich in einer sehr guten Gegend. Eines Tages kam es, wie es kommen musste, ein Investor wollte eine Hochhaussiedlung daraus machen.

Für uns Kleingartenbesitzer ein Schlag ins Gesicht, das konnten wir nicht einfach so hinnehmen. Ich komme aus der Kommunikationsbranche und habe dem Verein mein Know-how zur Verfügung gestellt, um irgendwie zu retten, was noch zu retten war. Wir haben einen Bürgerentscheid gestartet, und um darüber möglichst viele Menschen zu erreichen, tat ich, was ich gelernt habe: schreiben. Über Blumen, über Stadtgärten, über die Natur – und dann eben auch Artikel über Grünflächenerhaltung als wichtigen Beitrag zur Lebensqualität in der Großstadt. Daher auch der Name berlingarten, weil es allgemein um Gärten in Berlin ging, nicht explizit um meinen eigenen. Trotz zahlreicher Aktionen und Proteste haben wir leider die Hälfte der Gartenanlage verloren, aber der Blog blieb. Mein Garten glücklicherweise ebenso.

Seit dieser Erfahrung weiß ich sehr genau: Ein Leben ohne Garten kann ich mir nicht vorstellen. Für mich gibt es keine Gartenarbeit, ich gärtnere. Dabei bin ich völlig zufrieden mit mir und der Welt und vergesse alles um mich herum. Mein Garten ist ein Zeit- und Raumausschalter, ein absoluter Wohlfühlort. Ich erschaffe dort Stimmungsbilder. Bilder, die ich im Kopf habe, mit Pflanzen wie den violetten Akeleien, die im Frühlingslicht tanzen, oder den Fingerhüten am Waldrand, den Himmelsschlüsselchen, die ich als kleines Mädchen gepflückte habe. Das ist Kreativität mit den Händen und fürs Auge.

Genauso mein Blog. Er ist keine Anleitung für Schrebergärtner, man findet dort weniger das Einmaleins der Gartenhacke oder „wie pflanze ich die Primel richtig ein“. Ich würde es Gartenprosa nennen. Da ich damit nicht meinen Lebensunterhalt bestreite, kann ich schreiben, wie es mir Spaß macht. Wenn ich mit meinen Geschichten andere Menschen erreiche, freue ich mich. Denn wenn man etwas mit Hingabe tut, dann bekommt man auch etwas zurück. Genau wie im Garten.

Übrigens, aus meinem Mann ist inzwischen ein überzeugter Gärtner geworden.

 

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