Schulgarten

Historische Sorten und ganz viel Bio

Oldenburg - Lila Kartoffeln und Kohlrabi, Palmkohl und gelbe Radieschen – in den 16 Beeten am Rosenweg wächst so einiges, was nicht in jedem Supermarkt zu haben ist. „Der Schwerpunkt liegt auf alten, samenfesten Gemüsesorten, die in Bioland- und Demeter-Qualität angebaut werden“, sagt Inka Bolay. Seit gut einem Jahr hat die Oberschule Osternburg in Oldenburg den Schrebergarten in der Kleingartenanlage von Tura I gepachtet, um hier Schülerinnen und Schüler der Jahrgänge 5, 6 und 7 gemeinsam gärtnern zu lassen. Unterstützung gab es auch vom Präventionsrat Oldenburg (PRO), denn viele kommen aus sozialschwachen Strukturen oder haben einen sonderpädagogischen Förderbedarf. In der OBS Osternburg besteht bei 70 Prozent der Schülerinnen und Schüler ein Migrationshintergrund – der höchste Anteil in ganz Oldenburg. „Dringend benötigt haben wir daher lebenspraktischen Unterricht, in dem die Mädchen und Jungen sich mit Kopf, Herz und Hand selbst spüren und sehen, was sie mit ihrem Einsatz bewirken und wachsen lassen können“, so Inka Bolay. „Garten schafft Selbstbewusstsein“, hat sie inzwischen immer wieder festgestellt. Sehr froh sind übrigens alle über die tolle Nachbarschaft zu den anderen Kleingärtnern.

Ein eigenes Beet

Verantwortung übernehmen, das kann man beim Gärtnern sehr gut. Daher teilen sich auch immer mehrere Schüler ein Beet, das sie bewirtschaften müssen – und sich so über ihre eigene Ernte freuen können. Grundlage für die Arbeitsgemeinschaften ist die ökologisch-biologische Landwirtschaft, der Ertrag kann entweder mit nach Hause genommen oder gegen Spenden in der Schule angeboten werden. Auch eine eigene Schülerfirma ist hierzu geplant. „Wir hatten eine tolle Ernte, besonders die Kürbisse“, freut sich Lea über das gute Ergebnis. Auf ihrem eigenen Acker hatte sie übrigens Bohnen und Stoppelrüben gesät, der zwölfjährige Emad, der von Anfang an dabei ist, hatte unter anderem Zwiebeln, Möhren und Lauch in die Erde eingebracht. Vielfalt im Beet wird hier großgeschrieben. Daher durften auch Peperoni, Fenchel, Auberginen und Chili nicht fehlen. Und immer wieder darf man staunen: „Der Rucola hier hat sich wieder selbst ausgesät“, sagt die zwölfjährige Alina und zeigt auf den grünen Salat, der sich auch in kühleren Temperaturen wohlfühlt. „Die Gartenarbeit hier ist toll, auch weil wir so viel draußen sind“, sagt auch die 13-jährige Annemieke.

Ackern mit den Profis

Viel Input gibt’s durch die von der AOK geförderte GemüseAckerdemie. „Zu Beginn des Schrebergartenprojekts kommen ausgebildete Gärtner dreimal im Jahr vorbei und geben hilfreiche Tipps zum Anbau“, so Inka Bolay. Drei „Ackerlehrer“ der Schule erhalten zusätzlich Fortbildungen, um den Schülern die verschiedenen anfallenden Tätigkeiten und das Wissen um Pflanzenwachstum besser vermitteln zu können. „Gerade bei heißen Temperaturen ist beispielsweise das ‚Erziehen‘ der Pflanzen sehr wichtig“, erklärt Inka Bolay, die auf diese Weise selbst noch einiges lernen durfte. „Nur einmal die Woche wird kräftig gegossen, so dass die Wurzeln verstärkt in die Tiefe wachsen und sich dort besser mit dem Grundwasser versorgen können.“

Noch viel zu tun

Auch wenn der Garten jetzt auf den Winter vorbereitet wird, gibt es hier immer noch einiges zum Naschen. Gerade erst hat die zwölfjährige Lea wieder ein paar Radieschen entdeckt und in den Mund gesteckt. „Die sind echt lecker!“ Für die kalte Jahreszeit werden Laub und Kleingehacktes wie die alten Tomatenpflanzen auf dem Acker als Mulch verteilt. Auch müssen Saatgut verarbeitet und Geräte geputzt werden. Nicht zu vergessen die Herstellung von Vogelfutter.

Überhaupt wurde im vergangenen ersten Jahr bereits sehr viel geleistet – immerhin wurde das Eckgrundstück 15 Jahre nicht genutzt. Kein Wunder, dass sich auch unter den jetzigen Ackerflächen noch einiges befand, das einst untergegraben wurde: Insgesamt sieben Kubikmeter Steine mussten weggeschafft werden. „All dies ist auch immer mit viel ,Klinkenputzen‘ verbunden, denn es sind ja Arbeiten, die die Schüler nicht leisten können“, sagt Inka Bolay, die schon einige zur Mithilfe motivieren konnte, darunter auch den Förderverein der Schule. „Viele Hände, schnelles Ende“, sagt sie lachend. Auch wurde der frühere asbestverseuchte Schuppen von Paradiesbau fachgerecht entsorgt, und einige Eltern haben sich bereits angeboten, künftig tatkräftig mit anzupacken. „Der neue Schuppen, ein Gartenhaus mit Überdachung für ein Grünes Klassenzimmer, steht übrigens schon im Keller der Schule und soll im nächsten Frühjahr errichtet werden“, freut sich Inka Bolay darüber, dass es Schritt für Schritt vorangeht.

Imker gesucht!

Gerne hätten die Arbeitsgemeinschaften auch Bienen in ihrem Schrebergarten. „Allerdings fehlt uns dafür noch ein Imker, der sich gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern darum kümmert.“

@ http://www.obs-osternburg.de

 

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