Psychische Gesundheit

„Wir brauchen mehr Psychotherapeuten“

Psychische Krankheiten haben in den letzten Jahrzehnten kontinuierlich zugenommen. Laut Gesundheitsreport der Betriebskrankenkasse sind sie heute zweithäufigste Diagnosegruppe bei Krankschreibungen bzw. Arbeitsunfähigkeit. Priv.-Doz. Dr. Joseph Rieforth aus Oldenburg erzählt, welche Menschen zu ihm in die Praxis kommen, wie eine Therapie abläuft und was man tun kann, um gesund zu bleiben.

Frage: Herr Dr. Rieforth, neben Ihrer eigenen Praxis leiten Sie die Hochschulambulanz der Uni. Dort werden Kinder und Erwachsene zwischen vier und 70 Jahren behandelt. Welche Sorgen haben diese Menschen?

Dr. Rieforth: In der Ambulanz werden eine ganze Reihe von verschiedenen Krankheitsbildern behandelt. Die häufigsten sind Angststörungen, Depressionen und z.T. Suchtprobleme, das entspricht auch den aktuellen deutschlandweiten Statistiken.

Frage: Welche Angststörungen sind das? Angst vor Spinnen und engen Räumen?

Dr. Rieforth: Nein, damit sind vor allem allgemeine Angststörungen gemeint. Betroffene haben verschiedene Sorgen und Ängste: um die Zukunft, den Job oder darum, die Erwartungen an sie nicht zu erfüllen. Soziale Ängste haben auch durch Corona sehr zugenommen. Nach den langen Lockdowns haben viele das soziale Miteinander verlernt und verbinden es mit Gefahr und massiver Unsicherheit. Sie trauen sich nicht mehr in die Öffentlichkeit und bleiben stattdessen lieber zu Hause. In der Fachsprache spricht man vom „Cave-Syndrom“. Doch gerade soziale Kontakte sind für die seelische Gesundheit extrem wichtig. Menschen brauchen den Austausch mit anderen, damit es ihnen gut geht.

Frage: Psychisch krank – das ist immer noch ein Tabu, wie erleben Ihre Patienten das?

Dr. Rieforth: Viele meiner Patienten leiden sehr darunter. Über einen Armbruch kann man leicht reden, aber zu sagen: „Ich habe eine Depression oder Angststörung“ ist viel schwieriger. Immer wieder gibt es Scham, oder die Betroffenen haben Angst, offen darüber zu reden und von der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden.

Frage: Gleichzeitig sind psychische Krankheiten schwer zu fassen. Man kann sie nicht mit einem Bluttest oder Röntgenbild messen. Ab wann spricht man von psychischem Kranksein und sollte Hilfe in Anspruch nehmen?

Dr. Rieforth: Ein Merkmal für psychische Krankheit ist zum einen die Dauer: So ist eine schlechte Woche zunächst ganz normal und kein Anlass zur Sorge. Wenn die schlechte Phase aber mehrere Wochen andauert, ist das ein Zeichen, dass etwas nicht stimmt. Ein zweites Merkmal ist die Kombination aus mehreren Symptomen: negative Gefühle, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit oder Heißhunger, Müdigkeit, Reizbarkeit, … Wenn sich das eigene Verhalten und Fühlen über längere Zeit verändert, sollte man sich professionelle Hilfe suchen und das Problem nicht verdrängen.

Frage: Was sind dann die ersten Schritte?

Dr. Rieforth: Als erstes kann man sich an eine öffentliche psychologische Beratungsstelle wenden. Dort bekommt man relativ schnell Hilfe und eine erste Einschätzung. Im vielen Fällen kann das schon reichen. Man kann sich auch vom Hausarzt beraten lassen. Wichtig ist aber, das Problem nicht allein mit Medikamenten zu behandeln. Studien zeigen deutlich, dass gerade die Psychotherapie den Betroffenen hilft.

Frage: Wie läuft die Therapie ab?

Dr. Rieforth: Vereinbaren Sie ein Erstgespräch, um zu besprechen, um welche Probleme es sich handelt. Sie brauchen dafür keine ärztliche Überweisung. Dann folgen einige Probesitzungen, in denen Sie den Therapeuten und seine Arbeit besser kennenlernen können. Wenn Sie sich dann für eine Therapie entscheiden, beginnen Sie meist mit einer Kurzzeittherapie (von max. 2x12 Stunden). Die Sitzungen finden in der Regel wöchentlich oder zweiwöchentlich statt.

Frage: Worauf sollte man bei der Wahl des Therapeuten achten?

Dr. Rieforth: Das Wichtigste ist, dass man sich bei dem Therapeuten, bzw. der Therapeutin wohlfühlt. Umfangreiche Ergebnisse aus der Forschung zeigen, dass dies ganz wesentlich für den Therapie-Erfolg ist. Man sollte einen guten Draht zueinander haben. Ist das nicht der Fall, sollte man weitersuchen. Es lohnt sich daher, direkt am Anfang mehrere Erstgespräche zu vereinbaren.

Frage: Zum Schluss: Wie können wir vorbeugen? Welche Tipps haben Sie, um psychisch gesund zu bleiben?

Dr. Rieforth: Suchen Sie sich im Alltag immer wieder Möglichkeiten, um zu sich zu kommen. Das kann ein Spaziergang sein, eine Meditation oder ein ruhiger Moment. Reflektieren Sie, was Sie gerade bewegt, nehmen Sie Ihre Gefühle wahr. Machen Sie sich dabei auch bewusst, was sie schon erreicht haben, welche schönen Dinge es in Ihrem Leben gibt und was sie sich noch wünschen. Und schließlich: Pflegen Sie nicht nur die Beziehung zu sich selbst, sondern auch zu Mitmenschen, Freunden, Partnern und Kindern.

 

Liveticker

Blaulicht-Ticker

Weitere interessante Artikel

Saatgut

Nachwuchs aus dem Garten

Gartenbalsamine

Vorsicht invasiv!

Zimmer- pflanzen

Beliebte Silberlinge

Tipps für Gartenbesitzer

Pilze im Kreis: Was gegen "Hexenringe" auf dem Rasen hilft

Abschluss einer besonderen Saison

Park der Gärten verzeichnet Besucherrekord im Pandemiejahr

Öko-Garten in Neuenburg

Wiebke Schröder zeigt ihren Märchengarten

Pflanzaktion in Westerstede

Obstbäume für Brakenhoffschule

Begrünte Senken

Wo Wasser langsam versickern kann: Der Regengarten

Kübelpflanzen

Pflanzen vor Frost schützen

Schwarzwurzeln

Schmackhafte Stangen

Meerrettich

Beliebtes Gewürz

Steinhaufen sorgen für Mikroklima

Rauhaariges Schaumkraut

Farbenspiel im Garten

Warum verfärbt sich Laub?

Gartenerlebnisse in Hude nur eingeschränkt

Gartenerlebnisse in Hude nur eingeschränkt