Oldenburger Leukämiepatientin über Corona

„Es gibt keine Solidarität mit uns Erkrankten“

Oldenburg - „Ein dickes Familientreffen“: Es ist ein bescheidener Wunsch, den Ragnhild Krüger für ihre Zeit nach Corona äußert. Er ist Ausdruck des menschlichen Grundbedürfnisses nach Gemeinschaft und Geselligkeit. Ein Bedürfnis, das auch diese Weihnachten unbefriedigt bleiben wird. Denn mit Beginn der Pandemie wurde die Isolation für die Oldenburgerin zur Verbündeten. Und wird es im Kampf darum, diese Zeit zu überstehen, auch bleiben.

Die Schwachstelle

Ragnhild Krüger leidet an einer chronischen Form der Leukämie und damit an einem geschwächten Immunsystem: „Alle Leute benehmen sich im Moment, als wären sie auf Nummer sicher, weil sie geimpft sind. Die Masken sind weg, in der Stadt ist es voll. Aber ich und viele andere sind nicht sicher.“ Die Vorsitzende des Leukämie-, Lymphom- und Plasmozytom-Treffs Oldenburg spricht für Menschen, die im Moment in und von der Öffentlichkeit nicht gesehen werden: die chronisch Kranken, Krebspatienten, Menschen, deren Immunsystem entweder durch eine Erkrankung oder eine medizinische Behandlung geschwächt ist.

Viele sind nicht geimpft, weil es ihr Behandlungsstatus derzeit nicht zulässt. Andere sind geimpft, tragen aber dennoch ein erhöhtes Risiko: „Corona wäre potenziell tödlich für uns. Corona ist eine permanente Bedrohungslage für uns.“ Ragnhild Krüger ist es zwar gewohnt, sich schützen zu müssen, schließlich lebt sie schon seit 1993, damals erst 38 Jahre alt, mit der Leukämie. „Aber Corona ist anders, das Verhalten der Mitmenschen ist anders. Es gibt so viel Ignoranz. Solidarität: Wo bleibt der Begriff eigentlich?“

Gefahr Nummer eins

Sieht Ragnhild Krüger Bilder vom Lambertimarkt am Wochenende, weiß sie: Kaum einer denkt dort an besonders vulnerable Personen, weil kaum Masken getragen werden, die nicht nur dem Selbstschutz, sondern auch dem anderer dienen. Die steigenden Infektionszahlen sprechen für sich. Die Intensivstationen füllen sich. Meist mit Ungeimpften. Oder mit Betagten oder Vorerkrankten mit Impfdurchbrüchen – ein Umstand, der viele Geimpfte und ansonsten gesunde Menschen heimlich erleichtert durchatmen lässt. Aber Ragnhild Krüger gehört zu den Vorerkrankten, bei denen ein Impfdurchbruch nicht glimpflich verlaufen könnte. Das ist die Gefahr Nummer eins.

Gefahr Nummer zwei

Die Gefahr Nummer zwei für sie und andere Betroffene liegt im Volllaufen der Krankenhäuser: Je mehr Covid-Patienten in den Kliniken behandelt werden, desto weniger Kapazitäten sind für die Behandlung anderer Patienten frei. „In unserer Gruppe gibt es Betroffene, bei denen Operationen angesetzt sind. Ob diese stattfinden können, ist fraglich.“ Die Schreckensbilder der Militärtransporte mit Leichen aus dem italienischen Bergamo hat die Oldenburgerin immer vor Augen. Auch in deutschen Kliniken könnte es zur Triage kommen, wenn die Anzahl der Patienten nicht bewältigt werden kann, fürchtet Krüger: „Die über 60-jährige Krebspatientin unterliegt dann wahrscheinlich.“

Der Groll

„Mein Recht auf Leben zählt auch“, sagt Ragnhild Krüger. Dass sie kein Verständnis für Mitbürger hat, die sich – aus welchen Gründen auch immer – gegen eine Impfung entscheiden, liegt auf der Hand. Zuvorderst nimmt sie die Politik in die Pflicht: „Verantwortung übernehmen: Das machen unsere Politiker in keinster Weise. Die Debatte wird nur ums Ich geführt. Es gibt keine Solidarität mit den Jüngsten, die so lange auf viel verzichtet haben. Und es gibt keine Solidarität mit uns Erkrankten.“ Menschen mit geschwächtem Immunsystem bleibt nur die Option, „sich weiter vorsichtig durchs Leben zu hangeln und von der Ohnmacht irgendwie in die Aktion zu kommen.“

 

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