Kinder- und Jugendpsychiatrie Oldenburg

Angst, Essstörungen, Depressionen - so leiden Kinder unter Corona

Oldenburg - Eigentlich gibt es auf der Krisenstation der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (KJPP) acht Betten. Im Sommer mussten 14 daraus gemacht werden. Für Kinder, die versucht haben, ihr junges Leben zu beenden, als suizidgefährdet gelten oder sich selbst Verletzungen zugefügt haben. Die Krisenstation ist immer zu voll. Das hat Dr. Agneta Paul, Direktorin dieser Klinik, in ihrer langen beruflichen Laufbahn so noch nie erlebt. Doch die Corona-Krise hat viel verändert. Es gibt so viele Kinder und Jugendliche mit psychischen Auffälligkeiten und Erkrankungen wie nie zuvor.

Wie ist die Stimmung in der Fachwelt?

„Alle Fachleute merken deutlich, dass sich die Lebensqualität der Kinder und Jugendlichen deutlich verschlechtert hat“, sagt Agneta Paul. Die psychische Belastung habe vor allem während der Lockdowns mit den Schul- und Kitaschließungen stark zugenommen. Die Direktorin der KJPP, die Teil des Oldenburger Kinderkrankenhauses St. Elisabeth des Klinikums ist, steht im Austausch mit vielen Kollegen: „Alle berichten das Gleiche, auch die Kinderärzte. Alle sind am Limit.“

Leiden Kinder und Jugendliche anders als Erwachsene ?

„Kinder haben eine andere Vulnerabilität als Erwachsene. Sie leiden anders, stärker. Sie haben andere Bedürfnisse“, erklärt die Medizinerin. Vor allem die fehlenden Kontakte zu Gleichaltrigen hätten den Kindern zugesetzt. Nicht selten seien familiäre Spannungen bis hin zu häuslicher Gewalt dazu gekommen. Oder sie waren sich selbst – und dann oft dem Medienkonsum – überlassen, weil die Eltern Familie, Job und Homeschooling nicht gleichzeitig stemmen konnten. „Es gibt die Kinder, die in der Pandemie leiden, ohne dadurch krank zu werden. Aber sie leiden. Dann gibt es die, die dadurch krank werden. Und es gibt noch die, die nach einer Corona-Infektion unter Long Covid leiden“, skizziert Agneta Paul.

Welche Auffälligkeiten zeigen die Betroffenen?

Die Bandbreite der Symptome, Auffälligkeiten und Erkrankungen ist groß. Manche Kinder klagen häufig über Bauch- oder Kopfschmerzen, übergeben sich, haben Schmerzen, andere sind nur noch müde und abgeschlagen. „Ein Kind, das für nichts zu motivieren ist, depressive Phasen hat, sich in die Einsamkeit zurückzieht oder über die Maßen traurig ist, ist auffällig“, sagt die Klinikdirektorin. Sie sieht, wie Angstzustände, soziale Phobien und vor allem Essstörungen in allen Ausprägungen enorm zugenommen haben. Es gebe Kinder, die das Haus nicht mehr verlassen wollen oder Angst vor neuen Situationen haben. Schlimmstenfalls komme es zu Selbstverletzungen oder Suizidversuchen.

Was brauchen diese Kinder, was hilft ihnen?

„Kinder mit klaren Störungsbildern brauchen professionelle Unterstützung und Hilfe“, sagt Dr. Agneta Paul. Dafür müssten Berufsgruppen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben, für diese Themen sensibilisiert sein, um die Kinder mit Bedarf zu erkennen: „Das betrifft nicht nur die Eltern, sondern auch die Erzieher, die Lehrer, die Ärzte: Sie alle müssen auf die Kinder schauen.“ Und die Fachärztin hofft, „dass die Schließung der Schulen und Kitas nie wieder kommt. Das war für die Entwicklung der Kinder fatal.“

Was kann jeder tun?

Die Leiterin der KJPP rät: „Die Kinder ernst nehmen mit ihren Sorgen, Ängsten und ihrer Belastung, immer ein Ohr für sie haben.“ Ein gutes Familienklima mit engem Zusammenhalt sei wichtig für das Wohl der Jüngsten. Sie sollten wieder Dinge tun dürfen, die Lebensfreude bringen. „Aber es ist auch wichtig, eine Reizüberflutung zu vermeiden. Zu viele Aktivitäten helfen nicht. Stabilität zählt, Beziehungsangebote schaffen. Die Kinder müssen diese lange Phase verarbeiten.“

Wie blickt die Fachwelt auf die nächste Etappe der Pandemie?

Agneta Paul zitiert aus einer aktuellen Studie der Uniklinik Eppendorf, nach der jedes dritte Kind Corona bedingt psychische Auffälligkeiten zeige. Für die Fachärzte heißt das, so Paul: „Wir werden lange Zeit sehr viel Arbeit haben. Wir sind die ganze Zeit am Limit. Alle diese Kinder brauchen Unterstützung.“ Und was Long Covid bei Kindern und Jugendlichen anrichtet, sei noch gar nicht absehbar.  Für sie wünscht sich die Klinikdirektorin Long-Covid-Ambulanzen, in denen Ärzte fachbereichsübergreifend zusammenarbeiten und die Kinder ganzheitlich behandelt werden können. Denn Agneta Paul ist sich sicher: „Diese Kinder werden kommen.“

 

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