NWZ fragt bei Experten nach

Was Kinder und Jugendliche in der Corona-Pandemie belastet

Im Nordwesten - Die Welt im Januar 2022 ist eine andere als im Januar 2020: Die Coronavirus-Pandemie hinterlässt ihre Spuren, in Intensivstationen, Krankenhäusern und Arztpraxen, in der Wirtschaft und im Kulturbetrieb: Aber auch in den Schulen, den Sportvereinen – und in Kinderseelen. „Kinder leiden besonders unter der Pandemie“, heißt es oft. Zwei Jahre ihres Lebens sind mit Unsicherheit, Angst, Trauer, Tests, Masken, Abständen und weniger sozialen Kontakten belastet worden – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Was hat das mit ihnen gemacht?

Studien haben bestätigt, dass der psychosoziale Stress für Kinder und ihre Eltern durch Lockdowns sehr groß sei. Das sagt Dr. med. Andreas Romberg, Chefarzt der Clemens-August-Jugendklinik in Neuenkirchen-Vörden im Gespräch mit der NWZ. Diese Belastung wiederum ändere die Verfassung der Kinder und Jugendlichen und führe zu Erkrankungen. Und das löse eine vermehrte Nachfrage in Kinder- und Jugendpsychiatrischen Einrichtungen aus: „Wir wissen von anderen Kliniken, dass akute stationäre Behandlungen in Deutschland zugenommen haben“, sagt Romberg.

In der Jugendklinik werden derzeit vor allem minderjährige Patienten mit depressiver Erkrankung oder Angsterkrankung behandelt. „Was uns besonders erschreckt ist, dass sehr viele Kinder und Jugendliche eine Essstörung entwickeln“, so Romberg. Ein Risikofaktor für diese Krankheitsbilder ist die Familie selbst: Gerade die Familien mit Schwierigkeiten – wegen einer psychischen oder chronischen Krankheit der Eltern, Armut oder mit wenig sozialer Unterstützung – seien die Verlierer der Pandemie. Prof. Dr. Michael Kölch, Direktor der Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, bestätigt das im NWZ-Interview: „Kinder, die aus einem niedrigen sozioökonomischen Status kommen, was häufig auch mit Bildungsferne verbunden ist, haben eine 30-prozentige Wahrscheinlichkeit, eine psychische Störung aufzuweisen. Bei Kindern aus der Mittelschicht liegt die Wahrscheinlichkeit bei neun Prozent.“

Im Übrigen sind es nicht nur die Einschränkungen im eigenen Leben, die Kinder und Jugendliche umtreibt. Sie hätten zudem Angst, andere mit dem Coronavirus zu infizieren, sagt Andreas Romberg. Und finanzielle Sorgen der Eltern durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit gehen auch an den Minderjährigen nicht vorbei. Das erkennt auch Michael Kölch: „Die Studien zeigen ganz klar: Je belasteter die Eltern sind, desto mehr schlägt es auch auf die Kinder durch.“

Der Humanmediziner macht jedoch auch Mut: „Mir ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Kinder während der Pandemie auch vieles gelernt und extrem gut bewältigt haben. Kinder beherrschen jetzt etwa digitalen Unterricht und meistern ihren Alltag trotz der schwierigen Bedingungen.“ In den vergangenen zwei Jahren sei auch in der Politik viel gelernt worden: Dass Schul- und Kitaschließungen mittlerweile um jeden Preis vermieden werden sollen, sei richtig: „Die Botschaft, welche schweren Folgen die Isolation für Kinder hat, ist also schon angekommen“, sagt Kölch.

Behandlungsengpässe erkennt er trotz des gestiegenen Bedarfs jedoch nicht. Bundesweit seien die Psychiatrien immer schon voll gewesen – und: „Wer akut behandlungsbedürftig ist und etwa selbstmordgefährdet ist, bekommt immer eine Behandlung.“ Dass aus Verzweiflung Suizidgedanken entspringen können, weiß auch Andreas Romberg: „Leider kann sich aus einer depressiven Symptomatik das Erleben lebensmüder Gedanken und Impulse so verstärken, dass Kinder ihre Situation ausweglos erleben und sich nicht mehr ausreichend von suizidalen Gedanken oder Handlungsimpulsen distanzieren können.“ Die Betroffenen würden dann in Neuenkirchen-Vörden sofort in stationäre oder teilstationäre Therapie aufgenommen.

Und abseits von den extremen Fällen belastet die Pandemie Kinder und Jugendliche auch ganz normal im Alltag: wenn die Übungsabende bei der Jugendfeuerwehr ausfallen, das Wintertraining der Paddeler oder Reiterinnen nicht mehr zu ihren Pferden in den Stall dürfen. All das schildern Laura (14), Levke (14) und Maximilian (15) aus Sande gegenüber der NWZ. Und der 17-jährige Miguel ergänzt: „Ich habe große Angst, dass das nie wieder endet und dass das jetzt unser Leben ist.“

 

Liveticker

Blaulicht-Ticker

Weitere interessante Artikel

Kräutertreiberei

Petersiliengrün

Pantoffeln bringen Farbe ins Haus

Blutspenden in Sandkrug

Malteser bieten Termin in Waldschule an

Frostige Kindheit

Kaltkeimer jetzt noch schnell aussäen

Online-Vortrag

Fledermäuse - mystisch, faszinierend, schutzbedürftig

Gelbe oder braune Blätter

Was die Anthurie braucht, um wieder frisch zu wirken

Sauerstoff für die Tiere

So verhindern Sie das Zufrieren Ihres Gartenteiches

Do it yourself

Holz trifft auf Beton: Gartenbank selber bauen

Kräuter

Winterkresse sorgt für Würze

Alpenveilchen

Beliebte Winterblüher

Wassergarten

Vor Frost schützen

Geldbaum

Licht ist im Winter Mangelware

Was Büropflanzen über ihre Kollegen verraten

Zeig mir deine Blumen und ich sag dir, wer du bist!

Stimmt der Platz?

Topfgrün im Winterquartier:Warum vergeilen Pflanzen?

Stunde der Wintervögel

Fettes Futter lockt neugierige Vögel in den Garten