Autismusspektrum Aurich

„Für uns selbst ist die Störung gar nicht störend“

Aurich - Es ist 13.59 Uhr am Donnerstagmittag. „Auf die Minute pünktlich“, sagt Uwe Hinrichs, als ich am Jugend- und Familienzentrum ankomme, um mich mit ihm zu treffen. Dieser Satz ist für Hinrichs, im Vergleich zu vielen anderen Menschen, jedoch nicht einfach so gesagt, für ihn ist diese Pünktlichkeit ein weiteres Puzzleteil in seiner Analyse – seiner Analyse über mich. Uwe Hinrichs hat eine Autismus-Spektrums-Störung, bis Januar auch bekannt als Asperger-Syndrom. Er nimmt viele Dinge viel bewusster wahr als andere Menschen; er analysiert sie und denkt viel darüber nach – auch über die Menschen selbst.

Selbsthilfegruppe soll der Aufklärung dienen

Im Januar hat Hinrichs in Aurich die Selbsthilfegruppe Autismusspektrum gegründet, die sich jeden zweiten Dienstag und jeden zweiten Donnerstag im Monat im Auricher Jugend- und Familienzentrum trifft. Dabei treffen Betroffene, aber auch Interessierte und Angehörige von Betroffenen aufeinander, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig weiter. Inzwischen hat Hinrichs in seiner Anmeldekartei bereits 50 Menschen registriert. In den Sitzungen sind im Durchschnitt aber meist um die sechs vertreten. „Manche trauen sich erst noch nicht, zu kommen oder ihnen kommt etwas dazwischen. Das ist ganz unterschiedlich“, so Hinrichs. Er möchte mit seiner Selbsthilfegruppe über die Autismus-Spektrum-Störung aufklären, ebenso über wie über Aspekte, die darunterfallen, wie Hochbegabung, Hochsensibilität oder Synästhesie. Letzteres bezeichnet im Grunde die Eigenschaft, Zahlen und Buchstaben in Farben zu sehen.

Für die Betroffenen selbst meist nicht störend

Das Problem bei vielen Angehörigen von Betroffenen sei, dass sie die Erkrankung nicht ernst nehmen. „Oftmals denken Eltern von Betroffenen Kindern, das könnte man einfach aussitzen, das gibt sich schon wieder. Es wird nicht ernst genommen“, so Hinrichs, der weiß, wovon er spricht. Er selbst hat diese Störung bereits seit Kindertagen. Obwohl es Autismus-Spektrum-Störung heißt, ist es für die Betroffenen selbst meist gar nicht störend. „Das ist es eher für die anderen“, so der Leiter der Selbsthilfegruppe. Wenn Hinrichs in einem Raum sitzt und es heiß oder kalt wird, stört ihn das gar nicht. Wenn dann jemand ein Fenster öffnet, ist es ihm egal. Er wertet nicht, er beobachtet und analysiert. Dabei merkt er sich auch viele Dinge. „Sie haben Ihren Block ganz schräg beim Schreiben gehalten und schrieben länger als Ihre Kollegin“, resümiert Hinrichs unser allererstes Treffen vor zwei Wochen.

In seinem Kopf arbeitet es dauerhaft rund um die Uhr, daher fällt ihm auch Schlafen schwer, denn er kommt einfach nicht zur Ruhe. „Wenn ich abends an meinem Tablet sitze, dann kann ich auch erst aufhören und etwas anderes machen, wenn der Akku alle ist und ich aufstehen muss, um das Kabel zu holen“, versucht Hinrichs sich selbst zu erklären. In den Urlaub fahren kann er zum Beispiel auch nicht, da er nicht abschalten kann.

Kein Schwarz oder Weiß

Hinrichs hat sich viel mit der Autismus-Spektrum-Störung und anderen Persönlichkeitsstörungen auseinandergesetzt. Seine Analysen von Menschen macht er dabei immer, indem er verschiedene Arten von Persönlichkeitsstörungen durchgeht und abgleicht. Dabei hat er festgestellt, „ein schwarz und weiß gibt es dabei nicht“. Oftmals passen einige Aspekte, aber andere wiederum nicht. „Jeder ist anders. Es gibt auch keinen, der genau dieselben Anzeichen hat wie ich“, erklärt Hinrichs.

Der gelernte Kaufmann ist schon viel rumgekommen, hat in vielen verschiedenen Berufszweigen und Unternehmen gearbeitet und hatte dabei aufgrund seiner Störung immer Sonderstatus, denn Routinen langweilen ihn. „Ich brauche immer neuen Input“, sagt er selbst über sich. Aus diesem Grund steckt er schon in Planungen für weitere Beratungsangebote und Hilfestellungen in Aurich.

Bevor wir uns verabschieden, kommen wir nochmal auf seine Analyse über mich zurück. „Menschen die ihre Schreibunterlage schräg legen, die haben früher meistens ihre Schrift, wenn sie mit Füller geschrieben haben, verwischt“, sagt Hinrichs. Und tatsächlich, da ich Linkshänderin bin, ist mir das früher öfter passiert.

 

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