Projekt

Die Geschichte der seltenen Genter Azaleen

Azaleen und Rhododendron erfreuen Blumenliebhaber mit Freude. Es gibt unzählige Arten und Sorten – zu den schönsten gehören die sommergrünen „Genter Azaleen“. Doch, was haben die Genter Azaleen mit der belgischen Stadt Gent zu tun, was zeichnet diese Azaleen-Sorten aus? Ein Bäcker in Gent war der erste, der verschiedene nordamerikanische Azaleen-Arten miteinander kreuzte und damit eine neue Pflanzengruppe für den Garten erzielte.

„Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die belgische Stadt Gent als ‚Stadt der Blumen‘ bezeichnet. Professionelle wie auch Hobby-Gärtner beschäftigten sich schon damals intensiv mit der Züchtung von Pflanzen“, erklärt Dr. Hartwig Schepker, Parkleiter bei der Stiftung Bremer Rhododendronpark. Durch Einkreuzung von weiteren Arten gelang es den Züchtern, die Qualität der Genter Azalee zu optimieren und das Angebot stark auszuweiten. Zu Beginn der 20. Jahrhunderts kannte man über 1.000 verschiedene Genter Azaleen.

Historische Genter Azaleen im Schlosspark Lütetsburg

2020 startete im Lütetsburger Schlosspark bei Norden ein spannendes Projekt. Wie Dr. Hartwig Schepker erläutert, suchen vier Mitglieder der Deutschen Rhododendron-Gesellschaft e.V. (DRG) den Lütetsburger Schlosspark regelmäßig zur Blütezeit auf, um die dort stehenden historischen Genter Azaleen - unter die Lupe zu nehmen und zu identifizieren. „Dabei nutzen wir als Vergleichssammlungen jene Kollektionen im Park der Gärten in Rostrup, in Bruns-Rhododendronpark in Gristede und unsere eigene Sammlung in Bremen. Bei den Lütetsburger Azaleen handelt es sich um etwa 100 Jahre alte wunderschöne Sträucher, kerngesund, hitzetolerant, wuchskräftig, naturnah gewachsen, von großer Größe, dazu nahezu perfekt in ihren Farben kombiniert“, beschreibt der Fachreferent das spannende Projekt. Ein weiteres Ziel sei es, durch gezielte Nachvermehrung diese Sorten nicht nur zu retten, sondern später auch anderen Parks und Gärten zur Verfügung zu stellen. Etwa drei Dutzend Sorten von Genter Azaleen konnten in Lütetsburg bereits nachgewiesen werden. „Neben den durchaus weit verbreiteten Sorten wie ‚Narcissiflora‘, ‚Pallas‘ und ‚Pucella‘ gibt es aber auch ein halbes Dutzend bislang unbestimmter Sorten, bei denen es sich um sehr seltene oder gar als verschollen eingestufte historische Züchtungen handeln könnte“, macht Dr. Schepker deutlich. Um die Identität der der bislang unbekannten Sorten bestimmen zu können, stellt die Deutsche Rhododendron-Gesellschaft Fördermittel bereit. „Um diese unbekannten Sorten verifizieren zu können, wurden sie durch Stecklinge vermehrt. Ziel ist es, die in zwei, drei Jahren blühfähigen Sträucher dann mit den bekannten, in Rostrup, Gristede oder Bremen aufgepflanzten Sorten und allen zur Verfügung stehenden Bild- und Literaturquellen zu vergleichen.“ Das Erhaltungsprojekt soll noch bis mindestens 2024 laufen.

Schlosspark Lütetsburg

Der Schlosspark Lütetsburg lohne wie die anderen genannten Gärten nicht nur wegen der Genter Azaleen einen Besuch. Dieser einmalige Landschaftspark glänze durch große alte Bäume und meterhohe immergrüne Rhododendron-Büsche. „Gerade hier, dicht an der Nordseeküste, stehen unwahrscheinlich wüchsige, absolut vitale Exemplare Genter Azaleen von mehreren Metern Höhe, die zur Blüte ab Mitte Mai bis Anfang Juni durch die schiere Blütenmenge, aber auch durch ihre gelungene Einbindung in den weitläufigen Park die Begeisterung für diese einerseits historische, anderseits aber auch potenziell zukunftsträchtige Pflanzengruppe anfeuert. Einige der im Lütetsburger Park stehenden Sträucher konnten aufgrund spezieller, erst im hohen Alter deutlich erkennbarer Wuchsformen identifiziert werden.“ In diesem Jahr ist die Blütezeit vorbei – daher: den Besuch schon mal für Mai/Juni 2023 vormerken.

Deutsche Rhododendron-Gesellschaft

Die Deutsche Rhododendron-Gesellschaft e.V. wurde am 18. Oktober 1935 bei einem Festakt im Bremer Rathaus gegründet. Die Initiative hierzu ging von Rhododendron-Liebhabern und Baumschulinhabern aus.

Mitglieder sind Freunde und Förderer der Züchtung, Pflanzung und Pflege von Rhododendron, Azaleen und immergrünen Laub- und Nadelgehölzen.

Wichtigstes Ziel der Anfangszeit war, den Bremer Park als Schau- und Sichtungsgarten mit der größtmöglichen Vielfalt von Rhododendron Arten und Sorten zu entwickeln. Heute beschäftigt sich die Gesellschaft vor allem mit neuen Ideen zur Einbindung von Rhododendron und Azaleen in die Gartengestaltung und der Förderung neuer Sortimente, die aufgrund der klimatischen Veränderungen benötigt werden. Die extrem winterharten Genter Azaleen entpuppen sich dabei als robuste Gartenpflanzen der Zukunft, die sich mit den Trocken- und Hitzephasen der mitteleuropäischen Vegetationsperiode sehr gut arrangieren können. Hinzu kommt eine erfreuliche Vielgestaltigkeit in Blütenfarben und -formen.

 

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