Schwerkranker aus Oldenburg

Jeder Tag könnte für Steven der letzte sein

Oldenburg - Wie lange er noch leben wird, weiß Steven Hornickel nicht. „Jeder Tag könnte der letzte sein“, sagt der 22-Jährige. Seit seiner Geburt hat Steven einen vierfachen Herzfehler. Einen Großteil seiner Kindheit hat der Oldenburger in Krankenhäusern verbracht. Als Steven erst drei Monate alt war, wurde er das erste Mal operiert. Mit zwei Jahren bekam Steven seinen ersten Herzschrittmacher – weitere sollten folgen. Um die große Belastung auf sein Herz zu reduzieren, wurde sein Blutkreislauf fontanisiert. Seitdem läuft er über seine Lunge. 

Hoffnungen geplatzt

Mittlerweile ist Steven erwachsen und kränker denn je. Nicht nur sein Herz muss viel aushalten. Steven hat eine schwere Leberzirrhose entwickelt. Eine Transplantation der Organe wäre seine letzte Hoffnung gewesen. Doch vor einigen Wochen bekam er die Hiobsbotschaft: Er wird weder ein neues Herz, noch eine neue Leber bekommen. Über die Jahre haben die Arterien und Venen an seinem Herzen mehr als 100 Seiten- und Nebenäste gebildet. Bei einer Herztransplantation würde der 22-Jährige verbluten. Eine Lebertransplantation würde er ebenfalls nicht überleben.

Dabei hatten sowohl Steven als auch seine Familie bis vor kurzem noch Hoffnung. „Im Juni haben wir die Nachricht bekommen, dass die Medizinische Hochschule Hannover Steven operieren würde. Er sollte auf die HU-Liste (High Urgency, zu deutsch: hohe Dringlichkeit) kommen und auf unbestimmte Zeit im Krankenhaus bleiben, um die Transplantationen zu bekommen“, sagt seine Schwester, Nathalie Hornickel, die nicht von Stevens Seite weicht. Dass Steven diesen schwerwiegenden Eingriff nicht überleben könnte, sei der Familie von Anfang an klar gewesen.

Aber dass die Medizinische Hochschule ihm nach mehreren Untersuchungen mitteilten würde, die Transplantation könne aufgrund der Verästelungen nicht stattfinden, damit habe die Familie nicht gerechnet. Er habe sich mit dem Gedanken angefreundet, durch ein neues Herz und eine neue Lunge noch einige Jahre zu bekommen oder den Eingriff nicht zu überleben, erklärt Steven. Nach der abgesagten Operation bleibe ihm jedoch nichts anderes übrig, als zu warten. „Sein Leidensweg wird nicht schön“, sagt Ingo Kirch, Stevens Schwager.

Spendenaktion

Wassereinlagerungen in den Beinen, Leberschmerzen und Erschöpfung prägen den Alltag des 22-Jährigen. „Ich habe gute und schlechte Tage“, erklärt Steven, der sich selbst als Realist bezeichnet: „Wenn es vorbei ist, ist es vorbei. Hoffentlich habe ich dabei nicht so viele Schmerzen.“

Der Fokus der Familie liege nun darauf, Stevens letzte Wünsche zu erfüllen und viel Zeit zusammen zu verbringen. Der Verein Lebenswunsch hat es ihm bereits ermöglicht, den Boden zu verlassen und in einer Cessna zu fliegen. „Ich wollte einmal im Leben in den Urlaub fliegen. Dabei würde ich nicht mal durch die Sicherheitskontrolle kommen“, sagt Steven.

Es ist nicht der einzige Wunsch, der in Erfüllung ging. Auch eine Lamborghini-Fahrt konnte realisiert werden. In dieser Woche fährt die Familie gemeinsam ins Disneyland Paris. Kurz danach ist ein Ausflug in den Wasserpark „Tropical Islands“ in der Nähe von Berlin geplant. All das kostet eine Menge Geld. Nathalie Hornickel hat deshalb eine Spendenaktion gestartet, bei der bereits über 7000 Euro zusammengekommen sind.

„Ich bin so froh, dass meine Familie das alles für mich macht“, sagt Steven. Auch über Wünsche für seine Beerdigung wurde gesprochen. Auf welchem Friedhof wird er liegen. Wie soll sein Grabstein aussehen: Für den Ernstfall ist alles vorbereitet. „Das klingt blöd, aber es ist das einzig Gute an der Sache. Es wird alles so sein, wie Steven es sich wünscht“, sagt Nathalie Hornickel.

 

Blaulicht-Ticker

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