Schulgarten neues Gymnasium Oldenburg

„Die Wertschätzung nicht vergessen“

Hmmmm, einfach lecker: Friedo und Timm lieben es, von den Sträuchern im Schulgarten des Neuen Gymnasiums Oldenburg (NGO) zu naschen. Auch wenn durch die anhaltende Trockenheit gerade alles ein wenig die Blätter hängen lässt, so finden sich im Garten dennoch Himbeeren und Johannisbeeren, die rasch von der Hand in den Mund wandern. Doch nicht nur eine erfolgreiche Ernte macht die Teilnahme an der Garten-AG der fünften und sechsten Klassen so spannend, sondern auch das ganze Drumherum. „Wir lernen hier sehr viel – auch ganz nebenbei, ohne dass wir es merken“, sagt der elfjährige Friedo. „Und man kann sich hier entspannen und super erholen“, so der Fünftklässler, der sich in diesem Jahr gemeinsam mit Timm, Henri, Tammo und Joris um den Garten kümmert. Immer dabei: Thilo Kowalsky, Lehrer für Biologie, Chemie und Naturwissenschaften in den Jahrgängen 5 und 6.

Platz für Pflanzen und Tiere

Mais, Erbsen, Kohlrabi und sogar Grünkohl: Im Schulgarten findet sich so einiges und gerne wird hier auch mit neuen Pflanzen experimentiert. „Die Blüte vom Grünkohl sah richtig klasse aus“, erinnert sich Fünftklässler Friedo an die gelben Farbtupfer im Frühjahr und das muntere Summen der Bienen. Ein Birnbaum gehört ebenfalls dazu sowie Brombeeren, Heidelbeeren und ein vom Ernährungsrat Oldenburg gestiftetes Permakultur-Kistenbeet mit Erdbeeren, Möhren und Schnittlauch. Und auch sonst findet sich vielerlei, was nicht nur den Menschen einen Nutzen bringt. Nachtkerzen, Giersch, Disteln und ein bunter Blühstreifen erfreuen auch die tierischen Bewohner, ebenso die Buchenhecke, die auch den Vögeln einen Platz zum Brüten bietet. Speziell für Wildbienen wurde sogar ein Lehmbeet angelegt, in dem sie einen idealen Ort zum Nisten finden.

Wertschätzung und Verantwortung

Seit fast 18 Jahren gibt es am NGO die Schulgarten- und eine Umwelt-AG. Durch anstehende Veränderungen der baulichen Situation der Schule musste der Garten schon einmal umziehen – und auch jetzt ist nicht sicher, ob er an der derzeitigen Stelle bleiben wird. „Schulgarten-Arbeit braucht Muße, Raum und Herzblut“, weiß Thilo Kowalsky, der das Netzwerk Oldenburger Schulgärten initiiert hat und sich dort engagiert, aus jahrelanger Erfahrung. „Und Wertschätzung sowohl für die hier geleistete Arbeit als auch für das, was sich uns hier bietet“, so der 52-Jährige, der seinen Schülern gerne Folgendes mit auf den Weg gibt: „Die Möglichkeit der Wertschätzung der Schöpfung liegt meistens direkt vor Deinen Füßen, meistens im ganz Kleinen, Du musst sie nur aufheben. Und auch Du selbst bist ein Teil des Ganzen. Die Konsequenz auch für unsere pädagogische Arbeit: Wenn Du der Natur etwas nimmst, zum Beispiel eine Fläche, dann gib ihr als Dankeschön etwas zurück.“ Das kann ein kleiner Stein- oder Holzhaufen sein, in dem sich Asseln, Spinnen oder Saftkugler so richtig wohlfühlen oder sogar eine Folie zum Abdecken von Material, deren Schatten und Feuchtigkeit insbesondere Schnecken und Regenwürmer oder auch einmal eine Kröte zu schätzen wissen. „Denn nur wenn die Natur zu ihrem Recht kommt, schenkt sie Dir alles, was Dir guttut. Und auch der zehnjährige Timm hat dies inzwischen verinnerlicht: „Wir haben ja auch Verantwortung gegenüber den Pflanzen und auch den Tieren.“

Gemeinsame Sache

Nicht nur Schüler der Garten- und der Umwelt-AG des NGO werkeln hier gemeinsam, sondern in den fast 20 Jahren waren auch andere Schulformen mit dabei, beispielsweise zwei Berufsbildende Schulen und in diesem Schuljahr Schüler der Oberschule, die das Fachwerkgerüst für den geplanten Geräteschuppen errichtet haben. Und auch sonst gab es bereits vielfältige Unterstützung, beispielsweise durch die Bingo-Stiftung, die Umzäunung des Gartens durch die Stadt Oldenburg und sehr viel zusätzliches Engagement durch Schüler und Eltern sowie aus dem Kollegium, darunter auch Pflanzen- und Materialspenden, beispielsweise Pflastersteine oder eine Umrandung für das Gemüsebeet. Und mit den Jahren gab es so manche Auszeichnung, beispielsweise durch „Jugend forscht“, für Projektarbeiten wie „Wachsen afrikanische Kürbisse auch in unserem Garten?“, „Was fressen Regenwürmer eigentlich am liebsten?“, „Entwicklung einer Apparatur zur Vermessung von Kaulquappen unter Wasser“, „Terra Preta – eine besondere Gartenerde“ oder „Das Wasserhaltevermögen verschiedener Böden“. Gerne betont Thilo Kowalsky die Bedeutung vom Anpacken in der Natur. „Die Umweltbildung zum Anfassen und Begreifen, wie sie zum Beispiel im Schulgarten möglich ist, kann kein Schulbuch und kein Regenwurm-Avatar auf einer digitalen Tafel oder keine noch so gute Simulations-App oder Diskussionsrunde ersetzen.“

 

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