Medizinische Versorgung im Landkreis Oldenburg

Weite Wege bis in die Kinderarztpraxis

Hude/Landkreis - „Aufgrund eines erhöhten Patientenaufkommens können wir nicht mehr persönlich ans Telefon gehen.“ Ende der Durchsage. Das Gerät schaltet ab. Knacken in der Leitung, Tuten. Kein Anrufbeantworter. Das ist kein Einzelfall, wie eine Recherche zur Versorgung mit Kinderarzt-Praxen im Landkreis Oldenburg offenbart. Zwar sind in den meisten Gemeinden Ärztinnen und Ärzte tätig – doch die Nachfrage ist größer als das Angebot.

18 325 Kinder und Jugendliche bis unter 15 Jahren gibt es laut Statistischem Bundesamt im Kreis – entsprechende Praxen sind es sieben: zwei in Delmenhorst, eine in Wildeshausen, eine in Ganderkesee, je eine weitere in Wardenburg und Harpstedt und eine in Hude.

Gemeinde Hude

In Hude macht sich der Mangel durchaus bemerkbar. Carsten Vocke von der Kinderarztpraxis hat dafür mehrere Erklärungen und schickt vorweg: „Es gibt nicht den einen Schuldigen – es ist ein gesamtgesellschaftliches Problem.“ Er listet einige Gründe auf: „Es sind mehr Patienten geworden, es gibt eine höhere Frequentierung und Inanspruchnahme der Praxen – und zudem Engpässe beim Personal. Und es wird immer mehr zeitraubende Bürokratie neben der eigentlichen medizinischen Tätigkeit.“

Für die Kinderarztpraxis in Hude gelte, dass Neugeborene und Zugezogene mit kleineren Kindern selbstverständlich aufgenommen würden. „Wechsler aus anderen Praxen der Region nehmen wir nicht oder in Ausnahmefällen nur nach eingehender Prüfung.“ Wartezeiten für Routine-Termine gebe es keine. Doch er gibt zu: „Dafür müssen wir aber bezüglich der Arbeitsbelastung an Grenzen gehen.“

Vocke öffnet den Blick noch weiter: „Der gesamte soziale und medizinische Bereich ist sehr weiblich – in Corona-Zeiten sind in etwa 85 Prozent der Fälle die Mütter zuhause geblieben. Wir haben hier Rückschritte in die 80er-Jahre erlebt, was zu Lasten der Familien, aber auch der Jobs der Mütter geht. Und wenn diese in Kitas, Schulen, Heimen, Praxen oder Kliniken beschäftigt sind, steht es schlecht um die Versorgung.“

Samtgemeinde Harpstedt

In Harpstedt ist die Gemeinschaftspraxis Mullstraße ansässig, Uta Pape ist hier seit 22 Jahren für die Kinder- und Jugendmedizin zuständig. Und sie kann den Eindruck ihres Huder Kollegen teilen. In ihrer Praxis müsste es theoretisch einen Aufnahmestopp geben, zudem wollte man eigentlich nur noch Eltern mit Kindern aus dem Flecken Harpstedt aufnehmen, „doch manchmal können wir das nicht so streng durchziehen“, sagt sie auch im Hinblick auf die ankommenden ukrainischen Familien. Ihr Einzugsgebiet sei deshalb groß: Sie habe Patientinnen und Patienten aus Eydelstedt, Twistringen, Syke und Barnstorf. Für die Akutversorgung könne man Kapazitäten schaffen, sagt Pape, aber für Vorsorgeuntersuchungen seien Wartezeiten teilweise lang.

Auch für die Zukunft sieht Uta Pape keine Besserung in diesem Bereich, „da einige Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand gehen werden. Praxis-Nachfolgen zu finden, gestaltet sich zunehmend schwierig“, weiß sie. Ihr Vorschlag: „Gemeinden müssen dieses Problem aktiver angehen, eine Empfangs-Kultur entwickeln für Ärztinnen und Ärzte, die in Erwägung ziehen, sich niederzulassen.“ Denn der gesamte medizinische und soziale Sektor könne Nachwuchs und Unterstützung gebrauchen, wie die Kinderärztin berichtet: „Es geht ja schon mit dem Hebammenmangel los. Allgemeine Themen, die Eltern sonst mit Hebammen besprechen könnten, werden nun zum Kinderarzt gebracht.“

Früher sei einiges auch von Großeltern abgefedert worden. „Das Bauchgefühl einiger Eltern scheint zu schwinden. Sie möchten nichts falsch machen, sind sehr unsicher und gehen deshalb häufiger zum Arzt.“

Bei der zukünftigen Besetzung von Landarztpraxen – egal welcher Fachrichtung – könnte in ihren Augen die Verbesserung der kassenärztlichen Strukturen (weniger Notdienste, weniger Bürokratie) auch dazu beitragen, Kolleginnen und Kollegen aus Krankenhäusern die Angst vor der Niederlassung zu nehmen.

 

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