Artenschutz in Ganderkesee

Mit Fachwissen gegen Schottergärten und Alibi-Insektenhotels

Ganderkesee - Das Sortiment vieler Gartencenter empfindet er als „deprimierend“ und die Ecke mit den bienenfreundlichen Pflanzen erfüllt seiner Ansicht eher eine Alibi-Funktion: Der Ganderkeseer Landschaftsökologe Dr. Klaus Handke hat festgestellt, dass viele Menschen zwar den Wunsch haben, etwas gegen das Artensterben zu unternehmen, die Umsetzung dann aber getreu dem Motto „Gut gemeint – aber schlecht gemacht“ null Effekt hat, weil schlichtweg biologische Grundkenntnisse fehlen.

Das möchte Handke zusammen mit Ehefrau Pia, ebenfalls Landschaftsökologin, ändern: Unter die Überschrift „Natur am Gartenteich“ haben die beiden ein dreistündiges Seminar gestellt, bei dem sie am Beispiel des eigenen Gartens in Ganderkesee zeigen, wie mit oft einfachen Mitteln und der richtigen Pflanzenauswahl Leben aufs eigene Grundstück geholt werden kann. Auch dem Trend zu Schottergärten und Zäunen aus Metallgittern mit Kunststoffeinlage möchten sie so etwas entgegensetzen.

Rasen weicht Teich

Den eigenen Garten hat das Ehepaar über 22 Jahre hinweg insekten- und vogelfreundlich gestaltet, um dann im vorigen Jahr die Rasenfläche (Handke: „Man braucht keinen Rasen.“) zu einem großen Schwimmteich mit bewachsenen Uferzonen umzugestalten. Rundherum finden sich ausschließlich heimische Pflanzen- und Gehölzarten – mehr als 300 insgesamt. Überall summt und zwitschert es, Libellen schwirren über der Wasseroberfläche umher.

Seit 2000 haben Handkes in ihrem Garten mehr als 125 Vogel-, 29 Tagfalter, 30 Libellen-, acht Heuschreckenarten und jede Menge Wildbienen und Hummeln nachgewiesen. Gerade nistet eine Schleiereule am Haus, regelmäßig zeigt sich eine Zwergfledermaus. Auch Arten wie Buntspecht, Heckenbraunelle, Grauschnäpper, Kleiber, Stieglitz, Gimpel, Kernbeißer und Stare sind aktuell aus nächster Nähe zu beobachten. Beobachten sollen auch die Seminarteilnehmer bei den Seminaren: Leihferngläser und Bestimmungsführer stellen die Landschaftsökologen zur Verfügung, genauso ihre eigenen Erfahrungen und wertvolle Praxistipps. Bei Kaffee und Kuchen sollen sich maximal sechs Teilnehmer pro Termin austauschen und die Umgebung auf sich wirken lassen.

Wasser bringt Leben

„Wir können an vielen Stellen zeigen, was möglich ist, und die Teilnehmer können sehen, was ihnen gefällt“, so Pia Handke. Auch auf kleinem Raum, etwa Balkonen, könne etwas für die Insekten getan werden. „Jede noch so kleine Wasserstelle bringt Leben“, ergänzt Klaus Handke. Beide räumen ein, dass zu einer naturnahen Gartengestaltung freilich dazugehöre, auch etwas wildere Ecken zuzulassen. Denn das schönste Insektenhotel bringe nichts, wenn Insekten keine Nahrung finden. „Unsere Insektenhotels sind dauerhaft ausgebucht“, sagt Pia Handke.

Mit ihren Seminaren wollen die beiden interessierte Laien ansprechen, die den ernsthaften Wunsch haben, etwas zu verändern. Auch Lehrer und Gartenbaufachleute oder Vertreter von Firmen, die ihre Flächen im Siedlungsraum naturnäher gestalten wollen, heißen sie ausdrücklich willkommen.

 

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