Todesurteil im Schlosspark Jever

Der Pilz „Schuppiger Porling“ hat Esche befallen

Jever - Imposant wirkt sie zweifellos – die Gruppe von großen Pilzen am Fuß einer hohen Esche im Schlossgarten Jever, doch für den Baum bedeutet sie über kurz oder lang das Todesurteil. Es handelt sich um den Schuppigen Porling, der seinen Namen den konzentrisch angeordneten Schuppenringen auf dem Hut der außergewöhnlich großen Fruchtkörper verdankt.

Holz wird schwammig

Ein solcher Fruchtkörper ist allerdings nur der sichtbare Teil des Gesamtorganismus Pilz. Der wesentlich größere Teil wird durch die Pilzfäden, die Hyphen, gebildet, die als dichtes Geflecht das Holz des Baumes durchziehen. Dieses Myzel – so der Fachbegriff für das Pilzgeflecht – zersetzt die Holzbestandteile der Zellwände der befallenen Bäume. Das befallene Gewebe verliert so seine Festigkeit und nimmt einen schwammigen Charakter an. Weil nur die Lignine, das sind die holzbildenden Teile der pflanzlichen Zellwand, durch den Pilz abgebaut werden, bleiben die helleren Cellulose-Bestandteile übrig. Das betroffene Holz nimmt daher eine weißgraue Färbung an, so dass man von einer „Weißfäule“ spricht. Andere Baumpilzarten verwerten nicht das holzbildende Lignin, sondern die Zellulose. Sie verursachen die sogenannte „Braunfäule“.

Während die Braunfäule besonders an Nadelbäumen begegnet, tritt die Weißfäule überwiegend an Laubbäumen auf. Der Schuppige Porling befällt vor allem Rotbuchen, aber auch Eschen, Ahorn Rosskastanien und weitere Arten. Tritt er hoch am Stamm auf, ist das ein Hinweis auf größere Faulstellen in dem betroffenen Bereich. Tritt er nahe am Stammfuß auf, kann auch das Wurzelsystem befallen sein. Der Baum verliert dann seine Standfestigkeit und droht bei Stürmen umzufallen.

Für die betroffene Esche im Park wird es daher keine große Zukunft mehr geben. Sie wird vermutlich in absehbarer Zeit gefällt werden müssen. Damit teilt sie das Los so mancher älterer Bäume des Parks, die in den letzten Jahren abgestorben sind. Erinnert sei nur an die große Mehrstammbuche, die unweit der Esche im nordwestlichen Parkteil stand und 2017 entfernt werden musste. Und im Nordostbereich des Parks steht heute noch die eindrucksvolle Baumruine der Japanischen Lärche, die vor wenigen Jahren innerhalb kurzer Zeit abstarb. Da dieser tote Baum von der Statik her noch stabil war, ließ man ihn stehen – mit seiner skurrilen Gestalt zeugt er von der Vergänglichkeit selbst so langlebiger Organismen wie der Bäume.

Baum keine 200 Jahre

Viele Baumarten erreichen heute nicht mehr ihr früheres natürliches Lebensalter, sondern sterben vorzeitig. So können Eschen durchaus zwischen 250 bis 300 Jahre alt werden. Der nun abgängige Baum dagegen ist keine 200 Jahre alt, wurde doch der Park in seiner heutigen Form erst zwischen 1830 und 1840 angelegt.

Die Gründe für die verringerte Lebenserwartung vieler Bäume mögen vielfältig sein, eine zunehmende Rolle spielt dabei aber mit Sicherheit der Klimawandel. Besonders die trockenen, heißen Sommer führen zu einem früheren Sterben, wie man es auch in vielen unserer Wälder beobachten kann. So ist für die Zukunft auch im Schlosspark mit dem Verlust weiterer älterer Bäume zu rechnen.

 

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