Welt-Alzheimertag in Oldenburg

Pflegenotstand trifft Demenzkranke besonders hart

Oldenburg - Im Wohngemeinschaftshaus St. Josef in Bümmerstede leben Menschen mit mittlerer oder schwerer Demenz. Das Kernstück ist ein großer Wohn- und Essbereich, es gibt einen angelegten Garten – umzäunt, damit niemand wegläuft. Im St. Josef arbeiten Pflegekräfte, die speziell für den Umgang mit Demenzkranken geschult sind. Die „Demenz-WG“ sei ein sicheres Umfeld für Demenzerkrankte, sagt Sebastian Betz, der Geschäftsführer der Caritas Oldenburg, die das Haus betreibt.

Aber es gibt nur 32 Plätze. Derzeit sind alle belegt. 70 Personen stehen auf der Warteliste, beinahe jeden Tag rufen Angehörige an, mal drei, mal acht, die kurzfristig einen Platz für erkrankte Familienmitglieder suchen. Die Caritas kann sie nur unten auf die Warteliste setzen.

Es gibt in Oldenburg nicht genügend Pflegeplätze für Demenzerkrankte, sagt Kathrin Kroppach von der Demenz-Informations- und Koordinationsstelle Oldenburg (DIKO). „Im Internet können die Angehörigen lesen, welche Hilfen ihnen zustehen“, sagt sie. „Aber was bringt das, wenn sie sie nicht bekommen, weil das Personal fehlt?“

Steigende Tendenz

In Deutschland leben etwa 1,8 Millionen Menschen mit Demenz, Tendenz steigend, weil die Gesellschaft altert. Die häufigste Ursache ist die Alzheimererkrankung, eine Gehirnerkrankung, die Nervenzellen irreversibel zerstört. Die Krankheit beeinträchtigt das Kurz- und später das Langzeitgedächtnis.

Die Betroffenen verlieren nach und nach die im Leben erlernten Fähigkeiten. Die Oldenburger Alzheimergesellschaft schätzt, dass in Oldenburg etwa 3000 Menschen mit einer Demenzerkrankung leben.

Kathrin Kroppach arbeitet bei der DIKO, sie berät Erkrankte und ihre Angehörigen, hilft ihnen mit Anträgen für finanzielle Unterstützung, bei der Beantragung der Pflegestufe, bei der Suche Betreuung.

Einen Platz in der Tagesklinik oder sogar in einem Heim zu finden, sei für Menschen mit demenzieller Erkrankung noch einmal schwieriger als für andere Pflegebedürftige, sagt sie. „Viele Pflegeheime sind weder räumlich noch personell dazu ausgestattet, Menschen mit Demenz zu versorgen“, weiß Kroppach.

Wer an Demenz erkrankt, brauche eigentlich eine Eins-zu-eins-Betreuung. Ein Mittagessen könne gut und gerne eine Stunde dauern. Das kann eine normale Pflegeeinrichtung, besonders bei andauerndem Fachkräftemangel in der Pflege, nicht leisten.

Viele Erkrankte entwickeln auch sogenannte „Hinlauftendenzen“. „Sie sind überzeugt, dass sie etwas erledigen müssen“, erklärt Kroppach. Die Kinder abholen. Einkaufen gehen. Und wenn es dann niemanden gibt, der an der Tür aufpasst, dann laufen die Erkrankten irgendwo hin und das ist gefährlich. „Wenn die Heimleitung wegen der Demenzerkrankung nicht mehr für die Sicherheit eines Bewohners garantieren kann, müssen die Familien ihren Opa, Vater oder Onkel wieder abholen“, sagt Kroppach.

Früh auf Warteliste

Den wichtigsten Tipp, den Kroppach Erkrankten und Familien geben kann, ist frühzeitig mit der Suche nach Hilfe zu beginnen. Wer sich auf eine Warteliste setzen lässt, geht damit keine Verbindlichkeit ein. Auch die Caritas erzählt, dass Familien ab und zu einen angebotenen Platz ablehnen, weil es zu Hause gerade noch ganz gut läuft. „Dann bleibt man eben weiter auf der Warteliste und jemand anders freut sich“, sagt Kroppach.

 

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